"Ein Besuch im Orchestergraben": Musikinstrumente in der Galerie Handwerk

22. Februar

Orchesterpause in den Ausstellungsräumen der Galerie Handwerk! Seltene Violinen, kostbare klassische Gitarren, mannshohe Saxophone, mittelalterliche Zithern, schottisch anmutende Dudelsäcke und reich verzierte Drehleiern - ein großes Sortiment an Originalinstrumenten kann vom 2. März bis 16. April 2005 in den Ausstellungsräumen der Handwerkskammer für München und Oberbayern an der Max-Joseph-Straße ganz genau betrachtet werden - ganz ohne die dazugehörigen Musiker. Musikinstrumente üben aufgrund ihrer technischen Meisterschaft und feinen Mechanik, ihres schier unendlichen Material- und Formenreichtums sowie ihrer ästhetischen Eleganz einen großen Reiz auch fürs Auge aus. Ihre Erbauer, man denke nur an Stradivari, erlangten einst eine Berühmtheit wie große Künstler.

Allen Exponaten gemeinsam ist die hohe handwerkliche Meisterschaft der Herstellung. Die Ausstellung wurde in enger Abstimmung mit Gunther Joppig vom Musikinstrumentenmuseum im Stadtmuseum München und Thomas Hahn von der Landesinnung-Süd des bayerischen Musikinstrumentenhandwerks konzipiert. Ziel war es nicht nur die hohe Qualität und Schönheit der Einzelstücke aufzuzeigen, sondern genauso den hohen Standard der handwerklichen Ausbildung zu beweisen. Wo eine reiche musikalische Szene blüht, da kann sich auch der Musikinstrumentenbau zu einer florierenden Branche entwickeln, insofern bot und bietet Bayern einen hervorragenden Nährboden für dieses anspruchsvolle Kunsthandwerk.

Die vielseitige und anspruchsvolle Ausbildung in Bayern dokumentiert die 1858 gegründete Geigenbauschule Mittenwald. Berühmtheit erlangte Mittenwald schon im frühen 18. Jahrhundert durch den Lauten- und Geigenbauer Matthias Klotz. Durch einen Glücksfall gelang es der Schule, eine Originalgeige von Klotz aus dem Jahr 1714 zu erwerben und seitdem bauen die Schüler dieses Meisterstück systematisch nach. Die Galerie Handwerk präsentiert mehrere Abgüsse in Gips und Silicon bis hin zum fertigen Nachbau der Klotz¿schen Geige sowie eine feine Auswahl an Zupf- und Streichinstrumenten.

Einen Schwerpunkt legt die Ausstellung auf die großen Einzelmeister des Instrumentenbaus, mit denen gleichzeitig die gesamte Bandbreite all der Streich- und Zupfinstrumente, Holz- und Metallblasinstrumente, Zieh- und Schlaginstrumente präsentiert werden kann: So Hermann Hauser, der in vierter Generation Gitarren fertigt und dessen Familienwerkstatt bereits 1937 den spanischen Ausnahmespieler Andres Segovia mit einer auf ihn zugeschnittenen Gitarre ausstattete; der Münchner Trompetenbaumeister Hermann Ganter, der einer ganzen Generation an Schülern den Weg wies; die Brüder Stefan und Markus Wörz, die in zweiter Generation Geigen, Bratschen und die passenden Bögen fertigen; Herbert Wurlitzer mit seinen weltberühmten Klarinetten sowie die Bamberger Werner Schwenk und Jochen Seggelke, die Klarinetten aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit modernster Technik nachschaffen; die Firma Lefima, Leberecht Fischer KG aus Cham, die mit ihren Pauken und Becken seit über hundert Jahren die Orchesterhäuser der Welt beliefert; die Konzertharfen der 1928 gegründeten Firma Horngacher, deren aus klassisch verzierten Edelhölzern gefertigte Instrumente bis zu 900 Stunden Arbeitszeit benötigen. Ein wenig abseits der Konzertmusik aber nicht am Rande der Ausstellung können die phantasievoll gearbeiteten Drehleiern von Karl Riedel oder Akkordeons des Freilassinger Musikhauses Öllerer bewundert werden.

Dass noch heute "alle Märsche in Bayern böhmisch geblasen werden", dafür sorgt Wenzel Meinl mit seinen Tuben und Hörnern mit ihrem bis heute weltweit begehrten, "weichem, böhmischen Ton". Denn seine aus dem böhmischen Graslitz stammende Familie betätigte sich schon im 19. Jahrhundert mit dem Blasinstrumentenbau und fand nach dem Zweiten Weltkrieg im bayerischen Geretsried neue Heimat und neue Betätigung.

Der Musikinstrumentenbau ist ein derart komplexes Handwerk, dass sich schon früh Spezialistentum herauskristallisierte: Mundstücke für Blechblasinstrumente fanden genauso einen eigenen Meister wie etwa Rohrblätter für Holzblasinstrumente oder Drehventilmaschinen für Trompeten. In der Ausstellung zeigt Josef Klier Mundstücke und Pro Reeds Rohrblätter nicht nur für Saxophone. Ein riesiges Sortiment von Trommelschlägeln schickte der Augsburger Klaus Weißerth, außerdem vervollständigen Bögen aus der Münchner Bogenmacherwerkstatt von Markus Wörz die Sammlung. Bernhard Zirnbauer entwickelte mittels Röntgenaufnahmen von Trompeten seine Zirnbauer-Maschine, eine Drehventilmaschine, die eine optimierte Luftführung für Konzertrompeten ermöglicht.

Am Freitag, den 4. März, werden ab 16.00 Uhr die meisten Aussteller beim gemeinsamen Gang durch die Ausstellung persönlich ihre Stücke erklären. Zusätzlich werden jeden Samstag von 11.00 bis 13.00 Uhr einzelne Meister Bau- und Handhabung ihrer Instrumente demonstrieren. Wolfgang Lösche, Leiter der Galerie Handwerk, fasst den Tenor der Ausstellung zusammen: "Die Ausstellung soll nicht nur die Liebe zur Musik und ihren Instrumenten vertiefen, sondern auch die Liebe zum Beruf des Musikinstrumentenbauers wecken und damit zugleich Kontakt- und Informationsbörse für Interessierte sein".

Galerie Handwerk: Max-Joseph-Straße 4, Eingang Ottostraße, 80333 München
Ausstellungsdauer: 02 März bis 16. April 2005
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr
Am 25. und 26. März geschlossen
Eintritt frei
Rahmenprogramm:
04. März, 16.00 Uhr Führung
Während der Ausstellung finden jeden Samstag von 11 bis 13 Uhr Demonstrationen zum Thema
Musikinstrumentenbau statt. Die Teilnahme ist kostenlos

Informationen: Heidi Müller, Telefon 089 5119-296, Fax 089 5119-245, heidi.mueller@hwk-muenchen.de,

Bildmaterial
Druckfähiges Bildmaterial ist bei der Pressestelle der Handwerkskammer, Michael Schuhmann, Telefon 089 5119-121, michael.schuhmann@hwk-muenchen.de erhältlich.

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online seit 28. Feb 2005, aktualisiert am 28. Feb 2005

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