Ganz schön kreativ: Der Gestalter
Auf der IHM gibt es auf der Bühne am Stand der Handwerkskammern einiges Interessantes zu sehen. Zum Beispiel mit Filz dekorierten Beton. "Filz hat ja immer so einen Müsli-Tatsch. Dem wollte ich entgegenwirken," erklärte Anita Conradi. Von ihr stammt die Idee, "Experimente mit Filz und Beton" zu machen. So hat sie auch einen Betonhocker entworfen, dessen Dekoration und Sitzpolster in einer Materie vereint werden: in Filz.
Außerdem zu bestaunen gab es ein Kleidungsmodell für Jungen, die den Bub wie einen "Großstadtindianer", der mal Astronaut werden will, aussehen lassen. Vorne auf dem T-Shirt prangt ein lustiger grüner Alien, hinten an der Jacke ist eine Hülle angebracht, in die Pfeil und Bogen passen. Entworfen hat das Modell Iris Günther.
Die Schöpferinnen dieser beiden extravaganten Werke verbindet eine Gemeinsamkeit: sie haben gerade den staatlich anerkannten Abschluss an der Akademie für Gestaltung in München gemacht und können sich jetzt Gestalterinnen nennen.
Iris Günther hat bisher für das Theater gearbeitet, mit dem Gestalterabschluss in der Tasche will sie nun ihre eigene Kollektion namens "Bengels Sachen" entwerfen und eine Geschäftsgründung vornehmen. Zuvor möchte sie gleich noch auf dem Messestand die Gründerberatungsangebote der Handwerkskammern wahrnehmen.
An die Akademie für Gestaltung kann jeder kommen, der bereits eine abgeschlossene Lehre hat. Man kann auch als Meister an die Akademie, aber der Meistertitel ist nicht notwendig. Eine Aufnahmeprüfung gibt es nicht.
"Gestaltung ist lehrbar. Deshalb vermitteln wir sie auch," erklärt Barbara Schmidt, Leiterin der Akademie für Gestaltung in München. Trotzdem sollte man sich rechtzeitig anmelden, denn die Kurse, die jedes Jahr beginnen, bestehen nur aus 20 Teilnehmern.
Die Akademie findet bei den unterschiedlichsten Berufsgruppen Anklang: es schreiben sich unter anderem Metaller, Keramiker, Schreiner, Floristen und Buchbinder ein. Können diese Handwerker sich denn einfach die Auszeit aus dem Berufsleben nehmen, um an der Akademie zu lernen?
Gerade für Handwerker, die bereits mitten im Berufsleben stehen - und zu diesen zählen die meisten Akademieschüler - hat sich die Akademie ein Konzept überlegt: der Gestalter kann auch innerhalb von zwei Jahren berufsbegleitend errungen werden. Unter der Woche arbeitet man in seinem Betrieb, Freitag Abend und Samstag wird die Schulbank gedrückt.
Dieses Angebot nehmen derzeit viele Handwerker wahr. Alternativ kann man die Akademie natürlich auch Vollzeit besuchen. Dann ist man bereits nach einem Jahr ausgebildeter Gestalter. Diese Variante ist vor allem für jüngere Akademiebesucher sinnvoll, die direkt aus der Lehre kommen.
Staatliche Unterstützung ist auch möglich, immerhin kostet die Ausbildung zum Gestalter für den Schüler 5.250 Euro. Es kann Bafög beantragt werden oder es wird mit einem Stipendium gestalterisch gewerkelt.
Seit 25 Jahren gibt es den Gestalter, heute wird er an zwölf Akademien in Deutschland vergeben. Es werden Entwurf, Design, Fotografie, Zeichnen, Ornamentik und einiges mehr gelehrt. In Seminaren wird beispielweise den Teilnehmern vermittelt, wie man aus Gestaltungsideen marktfähige Konzepte entwickeln kann. Es geht aber laut Barbara Schmidt auch darum, seine "kreative Neigung auszuleben". Die perfekte Schule für die kreativen Köpfe unter den Handwerkern also.
Wer sich nach dem Gestalter noch weiterbilden möchte: Mit dem Gestalter hat man auch die Fachhochschulreife in der Tasche.
Für Fernweh befallene bietet sich die Möglichkeit, nach dem Abschluss ins Ausland zu gehen, wo die Akademien für Gestaltung einen guten Ruf haben. Besonders gut funktioniert der Austausch mit England. Dort kann man an einigen Universitäten sogar den "Master of Arts" in einem Design-Aufbaustudium machen.
Wer mehr über den Gestalter wissen möchte
Weitere Informationen gibt es im Internet unter hwk-muenchen.de/akademie, das neue Kursprogramm erhalten Sie kostenlos bei der Akademie für Gestaltung und Design
Mühldorfstraße 6
81671 München
Telefon 089 450981-621
Telefax 089 450981-6924
E-Mail: akademie.gestaltung@hwk-muenchen.de
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online seit 12. Mrz 2008, aktualisiert am 07. Jun 2011
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