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Handwerkskonjunktur zeigt sich robust - Traublinger: "Wahlen werden mit Politik für den Mittelstand gewonnen"

24. Oktober 2008

"Die Handwerkskonjunktur in Bayern erweist sich trotz der Finanzkrise als erstaunlich robust", erklärte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Heinrich Traublinger, MdL a. D., anlässlich der Jahresmitgliederversammlung am 24. Oktober in Nürnberg. Allerdings gelte das nicht für alle Branchen. Vor allem die konsumnahen Handwerke bekämen zu spüren, dass der private Verbrauch nach wie vor schwächele.

Traublinger: "Die Umsatzentwicklung hat sich seit Jahresbeginn verlangsamt. Der Gesamtumsatz der ersten drei Quartale lag mit 66,1 Mrd. Euro nominal aber immer noch um fünf Prozent über seinem Vorjahreswert. Preisbereinigt verbleibt eine Umsatzsteigerung um zwei Prozentpunkte. Die Beschäftigung im bayerischen Handwerk ist stabil." Bei den Metall- und Baufachkräften gebe es allerdings Engpässe am Arbeitsmarkt, so dass die Betriebe nicht wie gewünscht aufstocken könnten, erläuterte der BHT-Präsident. Zum 30. September 2008 beschäftigten die 185.300 bayerischen Handwerksbetriebe rund 876.500 Personen, 1.500 mehr als Ende September 2007.

Für das Gesamtjahr 2008 erwarte man ein nominales Umsatzplus von rund vier Prozent. Real seien dies dann etwa 1,5 Prozent Wachstum, erklärte Traublinger. Bei der Beschäftigung rechne man mit einem Plus von rund einem Prozent. Hier sorge der Beschäftigungszuwachs der ersten Jahreshälfte für ein positives Ergebnis im Jahresdurchschnitt. Angesichts der Finanzkrise und ihrer wahrscheinlichen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft rechnet Traublinger in den kommenden Monaten mit einer Abschwächung der Handwerkskonjunktur. Der BHT-Präsident: "Mittlerweile gibt es nicht nur Fragezeichen bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Unsicherheit kommt auch auf, welche Reaktionsspielräume der Staat angesichts des 500-Milliarden-Rettungsschirms für die Banken noch hat. Gewiss werden die Finanzminister für einiges mit Steuergeldern gerade zu stehen haben. Aber das ist kein Grund, jetzt öffentliche Investitionen zurück zu fahren. Bund, Länder und Gemeinden müssen hier antizyklisch tätig werden. "Öffentliche Investitionen gerade jetzt!", muss das Motto lauten. Die öffentlichen Mittel dazu sind da. Bis zuletzt sind die Steuereinnahmen gestiegen. Und viele, die verunsichert sind, legen ihr Geld jetzt in Staatspapieren an." Als sinnvoller Konjunkturmotor wirke auch, so Traublinger, den Leuten mehr Geld in der Tasche zu lassen, das sie dann ausgeben können. Deshalb seien Entlastungen bei Steuern und Abgaben erforderlich. Als Beispiele nannte der BHT-Präsident eine Absenkung des Soli, die Einkommensteuerreform, eine Senkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung und vor allem auch keine Beitragssteigerungen durch den Gesundheitsfonds.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Jahr erinnerte Traublinger die etablierten Parteien daran, dass nur mit einer Politik für Mittelstand und Handwerk Wahlen gewonnen werden könnten. Dies sei auch eine Erfahrung aus der Landtagswahl in Bayern. Der BHT-Präsident: "Das bayerische Wahlergebnis ist aus meiner Sicht für die neue Bayerische Staatsregierung ein klarer Auftrag, handwerks- und mittelstandspolitische Rahmenbedingungen in Bayern weiterzuentwickeln. Politik für Mittelstand und Handwerk heißt aber, den Betrieben das Arbeiten und Wirtschaften zu erleichtern."

Dazu gehöre, so Traublinger, die Sicherung eines fairen Wettbewerbs. Jeder Gigantismus im Einzelhandel müsse verhindert werden. Es sei Aufgabe der künftigen Staatsregierung, eine Flut von Einzelhandelsgroßprojekten auf der Grünen Wiese zu verhindern. Dazu gehöre auch, dass die Ladenöffnungszeiten nicht weiter ausgedehnt würden. Beides würde nur Großbetriebe begünstigen und kleine und mittlere Betriebe vom Markt verdrängen. Traublinger: "Es kann nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sein, wenn eine wohnortnahe Versorgung oftmals nicht mehr gewährleistet ist."

Audio-Datei O-Ton Traublinger zur Branchenentwicklung
Audio-Datei O-Ton Traublinger zum Wachstum dieses Jahr
Audio-Datei O-Ton Traublinger zur Finanzkrise (1)
Audio-Datei O-Ton Traublinger zur Finanzkrise (2)





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