Handwerksgeschäftsklima deutlich abgekühlt - Traublinger: "Binnenkonjunktur ankurbeln"
22. Januar 2009
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"Im letzen Quartal des vergangenen Jahres präsentierte sich die Konjunktur im Münchner und oberbayerischen Handwerk gespalten. Während sich die Bauwirtschaft noch ziemlich robust zeigte, spürten die übrigen Branchen schon ein deutlich kühleres Geschäftsklima", erklärte der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Heinrich Traublinger, MdL a. D., bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen in München.
Die Umsätze blieben im vierten Quartal 2008 mit knapp 8,6 Milliarden Euro gegenüber dem Schlussquartal 2007 unverändert. Preisbereinigt ergibt sich ein Minus von mindestens zwei Prozent. Dennoch fällt die Gesamtbilanz für 2008 recht positiv aus: Dank der starken ersten Jahreshälfte konnte das Münchner und oberbayerische Handwerk insgesamt ein nominales Umsatzplus von 4,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro erzielen. Nach Abzug der Preissteigerungen bleibt immerhin noch eine Zunahme um 1,6 Prozent.
Die Kapazitätsauslastung der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk lag im letzten Quartal 2008 bei 75 Prozent (keine Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Neue Aufträge gehen allerdings seit einiger Zeit nur mehr schleppend ein. Seit September schmolzen die Auftragsreserven deutlich ab, nur 56 Prozent der Betriebe konnten eine konstante oder gar steigende Nachfrage verzeichnen. Der Auftragsbestand reicht durchschnittlich für fünf Wochen - ein Minus von 0,1 Wochen im Vorjahresvergleich. Die zähen Auftragseingänge und die Besorgnis über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sorgen dafür, dass das Stimmungsbarometer der Handwerker gegenüber dem Vorjahr um drei Punkte nach unten fiel. Noch 72 Prozent schätzen ihre Lage als gut oder befriedigend ein.
Wegen der schlechteren Perspektiven haben die Handwerksbetriebe in München und Oberbayern auch weniger investiert. Im Vergleich zum Schlussquartal 2007 sanken die Ausgaben für Investitionen um zwei Prozent auf 226 Millionen Euro. Nur 27 Prozent der Befragten konnten und wollten investieren. Das sind drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2008 wurde im Kammerbezirk mit 842 Millionen Euro jedoch mehr investiert als im Vorjahr, das Plus beträgt gut zwei Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk lag zum Jahresende bei gut 70.600 und damit im Vorjahresvergleich um 1,4 Prozent höher. Die Betriebe beschäftigten im Jahresschnitt 291.000 Personen, was einen Jobzuwachs von einem Prozent bedeutete. Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge verringerte sich zum Jahresende gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent auf 10.150. "Das lag aber nicht daran, dass die Betriebe weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stellten, vielmehr wird der Wettbewerb um die besten Lehrlinge immer härter", sagte Traublinger.
Insgesamt noch 61 von 100 Betrieben glauben an gute oder befriedigende Geschäfte in den nächsten Monaten. Zum Vergleich: Ende 2007 erwarteten noch 72 Prozent gute oder zufrieden stellende Geschäfte für das folgende Quartal. Trotz vieler Unwägbarkeiten wagte der Kammerpräsident einen Ausblick auf 2009: "Für das Handwerk in München und Oberbayern erwarten wir im Jahresdurchschnitt 288.000 Beschäftigte, rund ein Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Der preisbereinigte Umsatz dürfte innerhalb eines Korridors von einem bis drei Prozent nach unten gehen, wobei wir natürlich stark hoffen, dass der Rückgang möglichst gering ausfällt", so Traublinger.
Als probates Mittel zur Belebung der Binnenkonjunktur führte der Kammerpräsident den Steuerbonus für Handwerkerleistungen an. Traublinger: "Die Lohnkosten müssen ja nicht gleich unbegrenzt von der Steuer absetzbar sein, wie dies CDU-Bundestagsfraktionsvize Michael Meister für Haushaltshilfen gefordert hat. Wir fordern aber eine Angleichung der maximalen Steuerermäßigung auf 4.000 Euro." Als weiteren Beitrag zur Stärkung der Nachfrage nach Handwerksarbeiten nannte der Kammerpräsident den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf arbeitsintensive Dienstleistungen. Traublinger: "Nachdem Finanzminister Steinbrück seinen Widerstand gegen den ermäßigten Steuersatz auf Europaebene offensichtlich aufgegeben hat, wäre der Weg auch bei uns für eine Reduzierung frei, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt kommt."
Die Maßnahmen des Konjunkturpakets II der Bundesregierung begrüßte der Kammerpräsident generell. Mit der Absenkung der Krankenversicherungsbeiträge von 15,5 auf 14,9 Prozent ab Juli dieses Jahres werde eine Forderung des Handwerks nach sinkenden Lohnzusatzkosten aufgegriffen. Traublinger: "Doch warum werden die Beiträge nicht gleich zurückgefahren? Hier wäre mehr Mut der Bundesregierung angebracht gewesen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sofort zu entlasten." Auch die zur Verfügung gestellten Mittel zur Modernisierung der Infrastruktur taugten dazu, die Konjunktur zu stützen, so der Kammerpräsident, der die Aufweichung der Vergabevorschriften aber infrage stellte. Traublinger: "Wir befürchten, dass die Losgrößen dann nicht mehr handwerksgeeignet sein könnten. Unsere Betriebe hätten dann nur noch als Subunternehmer eine Chance." "Einen wichtigen Impuls für den Kfz-Handel" nannte der Kammerpräsident die sogenannte "Umweltprämie", kritisierte aber die Begrenzung auf Privatkunden, wodurch u.a. viele mittelständische Handwerksbetriebe mit älteren Fahrzeugen von der Förderung ausgenommen würden.
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- Pressemitteilung vom 22. Januar 2009


