Handwerk setzt auf Konjunkturpakete der Bundesregierung - Traublinger fordert Comeback der Eigenheimzulage
16. April 2009
"Das Handwerk setzt auf die Konjunkturpakete der Bundesregierung. Diese werden ab der zweiten Jahreshälfte die Binnenkonjunktur nachhaltig ankurbeln", erklärte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Heinrich Traublinger, MdL a. D., bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen in München. Vor allem auf dem Bau erwarte man im Jahresverlauf einen spürbaren Anschub für die Binnenwirtschaft, so Traublinger. Im Kfz-Bereich hat die Abwrackprämie schon für positive Impulse gesorgt.
Die Umsätze der bayerischen Handwerksbetriebe sanken im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Preisbereinigt stieg das Minus auf 4,5 Prozent. Rechnet man den ungewöhnlich langen Winter heraus, dürfte sich das Minus in etwa halbieren. Die Kapazitätsauslastung lag im gleichen Zeitraum bei 67 Prozent. Dank des Booms im Kraftfahrzeuggewerbe blieb der durchschnittliche Auslastungsgrad quer durch alle Branchen gegenüber Ende März 2008 fast gleich (minus zwei Prozentpunkte). Da durch den langen Winter etliche Gewerbebauten noch nicht abgeschlossen werden konnten und bei den Industriezulieferern nur eingeschränkt gearbeitet wurde, blieben die Auftragsreserven stabil und lagen Ende März 2009 bei 5,2 Wochen (minus 0,1 Wochen gegenüber dem Vorjahreszeitraum).
63 Prozent der Handwerksunternehmer in Bayern waren im 1. Quartal 2009 mit ihrer aktuellen Lage zufrieden oder schätzten sie als gut ein. Damit fiel das Stimmungsbarometer gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Punkte. Die meisten Optimisten stellte der Ausbau, am schlechtesten war die Stimmung bei den Industriezulieferern. Die Erwartungen auf gute bzw. zufriedenstellende Geschäfte in den nächsten Monaten hegen 67 Prozent der Betriebe. Gegenüber der Einschätzung von Anfang 2008 ist das ein Rückgang um zehn Prozentpunkte. Deutlich gesunken ist die Bereitschaft der Betriebe, Ausrüstungsgüter anzuschaffen oder in Bauten zu investieren. Nur 24 Prozent gaben im 1. Quartal 2009 dafür Geld aus. Das sind vier Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Das Investitionsvolumen der Handwerksbetriebe in Bayern betrug in diesem Zeitraum 500 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Minus von zwölf Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Freistaat lag im 1. Quartal 2009 bei ca. 185.500 und damit im Vorjahresvergleich um 0,7 Prozent höher. Die Betriebe beschäftigten 842.000 Personen, was einen Jobverlust von einem Prozent bedeutete. "Für das Handwerk in Bayern erwarten wir im Jahresdurchschnitt 855.000 Beschäftigte, rund ein Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Der nominale Umsatz für das Gesamtjahr 2009 dürfte innerhalb eines Korridors von einem bis drei Prozent auf ca. 90,2 Milliarden Euro sinken", so Traublinger.
In seinem Statement forderte der BHT-Präsident ein Comeback der Eigenheimzulage: "Es war ein schwerwiegender Fehler, die Familienförderung bei der Bildung von Wohneigentum abzuschaffen." Ebenso drängt das Handwerk darauf, die Abwrackprämie auch auf den gewerblichen Bereich auszudehnen. Traublinger: "Die Handwerker würden für mehr Nachfrage bei Lieferwagen und Transportern sorgen, nachdem bisher vor allem die Kleinwagenhersteller profitierten."
Weiter fordert das Handwerk, dass 2011 der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für arbeitsintensive Dienstleistungen eingeführt wird. "Kleine und mittlere Betriebe aller Branchen bleiben das Herzstück der bayerischen Wirtschaft. Zudem würde eine Mehrwertsteuerreduzierung auf arbeitsintensive Dienstleistungen diese für den Kunden billiger machen, damit zu mehr Aufträgen für die Handwerksbetriebe führen und in einer Reduzierung der Schwarzarbeit münden", betonte der BHT-Präsident. Bei der Ist-Versteuerung forderte Traublinger eine bundeseinheitliche Anhebung der Umsatzgrenze auf eine Million Euro zum 1. Januar 2010. Unterhalb dieser Grenze müssen kleine und mittlere Betriebe die Umsatzsteuer erst ans Finanzamt abführen, wenn der Kunde auch wirklich gezahlt hat. Gerade in der aktuell angespannten Wirtschaftslage kommt dem eine besondere Bedeutung zu. "Ganz oben auf der To-do-Liste bleibt unsere Forderung nach einer eingehenden Reform der Einkommensteuer. Die "kalte Progression" reißt weiterhin große Löcher in die Geldbeutel von Durchschnittsverdienern und Familien", sagte Traublinger. "Mehr Netto vom Brutto" müsse es daher für die neue Bundesregierung vom ersten Tag ihrer Legislatur an heißen. Vollkommen kontraproduktiv sei in diesem Zusammenhang die von der SPD wahlkampfwirksam aufgebrachte Diskussion über die "Reichensteuer", so der BHT-Präsident, "damit wird wieder bei den Leistungsträgern abkassiert, die ohnehin schon über Gebühr steuerbelastet sind: den mittelständischen Unternehmern."
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- Pressemitteilung vom 16. April 2009 BHT


