Schmuck 2010

Sonderschau "Schmuck 2010"
auf der Internationale Handwerksmesse München
3. bis 9. März 2010 "Schmuck 2010 – ein Dialog mit der Gegenwart"

Vom 3. bis 9. März 2010 wird die internationale Schmuckschau der Handwerksmesse in München wieder zum Treffpunkt einer großen, internationalen Schmuckszene.
Kein anderer Bereich der angewandten Kunst und des Kunsthandwerks dominiert seit Jahren bei Wettbewerben und Ausstellungen so, wie der zeitgenössische Schmuck es derzeit vorführt.
Für 2010 haben sich an die 600 Goldschmiede aus aller Welt für die Teilnahme an der internationalen Schmuckschau in München beworben.

Die in Zürich lebende Spanierin Mònica Gaspar war diesmal Kuratorin mit dem schweren Amt, aus den hunderten von Bewerbungen circa 60 Schmuckkünstler auszuwählen. Monika Gaspar, Kunst- und Kulturhistorikerin mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Schmuckgestaltung setzte vor allem auf eigenständige künstlerische Ansätze und innovative Ideen. Ihr Hauptanliegen war es, Schmuckgestalter und Arbeiten auszuwählen, die sie in deutlicher Verbindung mit dem "Hier und Jetzt" sah und deren Arbeiten einen Dialog mit der Gegenwart eingehen. Wichtig war es ihr auch, Schmuck als Ausdruck einer zeitgenössischen Formensprache oder eines gesellschaftlichen, wie auch politischen Statements zu erleben. Das Bild, das Monika Gaspar mit ihrer Auswahl vom aktuellen Schmuckgeschehen zeichnet, ist subjektiv, es ist der Ausdruck einer sehr persönlichen, aber bestimmten Version der zeitgenössischen Schmuckszene von heute.

Mònica Gaspar ist die jüngste Kuratorin die jemals die Auswahl für die Schmuckschau getroffen hat. Als Ausstellungskuratorin, freie Autorin und Mitglied der Gruppe "Think Tank. A European Initiative for the Applied Arts" sind ihr die Formen, Ideen und Konzepte der angewandten Kunst unserer Zeit aufs Beste vertraut. Ihre Auswahl wurde nicht von dem Kriterium "jung oder alt", "Land oder Schule", "Schüler oder Professor" bestimmt, sondern sie blickt vielmehr auf den geistigen Zusammenhang, auf den konzeptionellen Inhalt und die Aussage eines Schmuckstückes. Wichtig sind ihr dabei ebenso Materialien wie die Art und Weise in der der Schmuck gefertigt ist. Das Bild das Monika Gaspar mit ihrer Auswahl vom aktuellen Schmuck zeichnet ist experimentell und ganz und gar unklassisch.

Seth Papac (tools for beating)
Seth Papac (tools for beating)
David Bielander, Ananas
David Bielander, Ananas
Chey Son (Rebirth)
Chey Son (Rebirth)
Seth PapacDavid BielanderChey Son

Bei der Auswahl war es Mònica Gaspar wichtig, Inhalte auch nach ihren theoretischen Ansätzen zu hinterfragen. Die Aktualität in der Arbeit des Goldschmiedes im Kontext unserer Zeit aber auch vor allem als autonomes Kunstwerk schienen ihr dabei richtungsweisend für die Nominierung zur "Schmuck 2010". So wird die Ausstellung ein Bild von Schmuck in unserer Zeit abgeben, das stark von inneren Gefühlen, Persönlichkeit, den Geschlechtern, der Verbindung von Altem und Neuen aber auch einer starken Ästhetik des Materials gekennzeichnet ist. Handwerklichkeit ist auch kein Tabu mehr, ganz im Gegenteil scheint sie wieder an Interesse zu gewinnen. Damit zeigt der zeitgenössische Schmuck auch wie sensibel er auf die Veränderungen in unserer Welt reagiert, spricht man doch in vielen Bereichen der Kunst, des Designs, der Mode, sogar im Film oder der Soziologie seit geraumer Zeit vom Handwerklichen als positivem Merkmal.

Alexander Blank (Evil Ed)
Alexander Blank (Evil Ed)
Felieke van der Leest (The J.Russels)
Felieke van der Leest (The J.Russels)
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Alexander BlankFelieke van der LeestGesine Hackenberg

Die Schmuckschau 2010 wird ausdruckstarke Beiträge bekannter und weniger bekannter Goldschmiede zeigen. Überraschend hoch ist im Jahr 2010 der Anteil der Länder. Auch hier zeigt sich, dass der jährliche Wechsel des Kurators zu neuen Sichtweisen und Versionen der internationalen Schmuckschau führt.

John Iversen (Cutting free)
John Iversen (Cutting free)
Beverley Price, Nespressokette
Beverley Price, Nespressokette
Andi Gut (Pengshui)
Andi Gut (Pengshui)
John IversenBeverley PriceAndi Gut

Als Klassiker wird in der Schmuck 2010 der niederländische Schmuckkünstler Robert Smit vorgestellt (geboren 1941 in Delft). Er zählt zu den führenden Goldschmieden der Gegenwart. Sein Ansatz stellt die Grenzziehung zwischen den Disziplinen Schmuckkunst, Zeichenkunst, Malerei, Skulptur in Frage. Farbe, Linie und das Gold bestimmen seinen Schmuck, in dem Erinnerungsfragmente, innere Bilder Gestalt annehmen. Mitte der 1980er Jahre löste Smit eine kontroverse Diskussion um die Verwendung des "verpönten" Goldes aus.

Kette, 1990 "Sleeping Beauty" Gold, blaugemalte Perlen

Kette, 1990 "Sleeping Beauty" Gold, blaugemalte Perlen
Anhänger, 2003, Gold, Silber, Blei, Farbe
Anhänger, 2003, Gold, Silber, Blei, Farbe
Brosche, 2006, Looking for Madonna Dolomiti VIII, Weißgold, Silber, Farbe
Brosche, 2006, Looking for Madonna Dolomiti VIII, Weißgold, Silber, Farbe
Kette, 1990 „Sleeping Beauty“ Gold, blaugemalte PerlenAnhänger, 2003, Gold, Silber, Blei, FarbeBrosche, 2006, Looking for Madonna Dolomiti VIII, Weißgold, Silber, Farbe

Eine Veränderung wird es auch innerhalb der Schmuckschau geben. Caroline von Steinau-Steinrück, die von 1990 bis 2009  die Präsentation der Ausstellungsstücke durchführte, wird dies nicht mehr wahrnehmen. Ihr sei an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für ihr jahrelanges Engagement gedankt. An ihre Stelle tritt in diesem Jahr die Münchener Goldschmiedin Alexandra Bahlmann.

Wie in den vergangenen Jahren wird sich um Schmuck 2010 der Internationalen Handwerksmesse in München ein ganzer Zyklus weiterer Events und Ausstellungen gruppieren. Goldschmiede und Galeristen die sich für die Zeit der Handwerksmesse inzwischen in München einmieten, locken wieder tausende von Besuchern, Schmucksammlern, Museumskuratoren und begeisterte Liebhaber des zeitgenössischen Schmucks nach München – München befindet sich im "Schmuckrausch", und es ist schier unmöglich, all die Stationen die angeboten werden in den wenigen Tagen zu durchlaufen. Neu und interessant ist die Präsenz internationaler Schmuckgalerien im Umfeld der Schmuckschau in Halle A1 des Münchner Messegeländes geworden. Im Jahr 2009 erstmals als "Frame", also als Rahmen um die Sonderschauen gruppiert, zeigten Schmuckgalerien, welche Künstler sie vertreten. Auch dabei wurde klar, welch dominierende Rolle der zeitgenössische Schmuck im derzeitigen Kräftemessen der angewandten Künste spielt.

Wolfgang Lösche

 
Teilnehmerliste 2010
Lucia Babjakova, SK • Peter Bauhuis, D • Doris Betz, D • David Bielander, CH • Sofia Björkman, S • Alexander Blank, D • Marta Boan, E • Sigurd Bronger, Nor • Monika Brugger, F • Doug Bucci, US • Simon Cottrell, AUS • Gemma Draper, E • Diana Dudek, D • Iris Eichenberg, NL • Maureen Faye-Chauhan, AUS • Jantje Fleischhut, NL • Melanie Georgacopoulos, GR • Andi Gut, CH • Ursula Guttmann, A • Gésine Hackenberg, NL • Mielle Harvey, US • Stefan Heuser, D • John Iversen, US • Sergey Jivetin, US • Machteld van Joolingen, NL • Jasleen Kaur, GB • Marie-Louise Kristensen, DK • Felieke van der Leest, NL • Helena Lehtinen, S • Benjamin Lignel, F • Anne Lene Løvhaug, Nor • Mia Maljojoki, SU • Mikiko Minewaki, J • Marc Monzo, E • Shelley Norton, NZ • Maria Nuutinen, SU • Michalina Owczarek, P • Seth Papac, US • Martin Papcun, CR • Johanna Persson, S • Ruudt Peters, NL • Natalya Pinchuk, Russia • Karen Pontoppidan, DK • Beveröey Price, SA • Ramon Puig-Cuyàs, E • Estela Saez Vilanova, E • Miro Sazdic, SER • Isabell Schaupp, D • Bernhard Schobinger, CH • Petra Schou, S • Karin Seufert, D • Chey Son, KOR • Sanna Svedestedt, S • Mirei Takeuchi, J • Annie Tung, CAN • Flora Vagi, H • Tanel Veenre, EST • Andrea Wagner, NL • Annamaria Zanella, I

Klassiker der Moderne
Smit Robert, NL