Handwerkskammerbeitrag: Sie fragen, wir antworten

Viele Mitglieder stellen Fragen zum Handwerkskammerbeitrag. Hier haben wir die wichtigsten Antworten zusammengestellt:



  1. Wer zahlt Beiträge zur Handwerkskammer?
  2. Wie setzt sich der Beitrag der Handwerkskammer für München und Oberbayern zusammen?
  3. Warum wird der Beitrag nach dem Gewerbeertrag von vor drei Jahren berechnet?
  4. Wer zahlt einen Zuschlag auf den Grundbeitrag und warum?
  5. Für welchen Zeitraum gilt der Beitrag?
  6. Wer ist Existenzgründer?
  7. Wofür wird der Beitrag verwendet und was leistet die Handwerkskammer für München und Oberbayern für meinen Betrieb?


1. Wer zahlt Beiträge zur Handwerkskammer?

Beitragspflichtig sind alle bei den Handwerkskammern eingetragenen Betriebe, unabhängig von ihrer Rechtsform. Natürliche und juristische Personen sowie Personengesellschaften zahlen also genauso Beiträge wie Filialen, deren Hauptbetrieb außerhalb des Kammerbezirks liegt.

Beiträge zahlen

Reduzierte Beiträge zahlen unter bestimmten Voraussetzungen Existenzgründer in den ersten vier Kalenderjahren. ( Frage 6 )



2. Wie setzt sich der Beitrag der Handwerkskammer für München und Oberbayern zusammen?

Der durchschnittliche Beitrag der Handwerkskammer für München und Oberbayern zählt zu den niedrigsten in Deutschland. Er setzt sich aus einem Grundbeitrag und einem gewinnabhängigen Zusatzbeitrag zusammen. Kapitalgesellschaften zahlen zusätzlich zum Gesamtbeitrag einen Zuschlag.

Grundbeitrag: Der Grundbeitrag ist für alle Betriebe einheitlich und liegt derzeit bei 97,00 Euro.

Zusatzbeitrag: Der Zusatzbeitrag errechnet sich aus dem Gewerbeertrag im Bemessungsjahr. Wurde für das Bemessungsjahr kein einheitlicher Gewerbesteuermessbetrag und Gewerbeertrag festgesetzt, wird der vom Finanzamt errechnete Gewinn aus dem Gewerbebetrieb zugrunde gelegt. Bemessungsjahr ist das drei Jahre zurückliegende Jahr. Bei neu eingetragenen Betrieben errechnet sich der Zusatzbeitrag zunächst nach dem Gewerbeertrag/Gewinn im jeweiligen Veranlagungsjahr. Diese Regelung gilt für das Eintragungsjahr und die drei folgenden Jahre.

Bei der Berechnung des Zusatzbeitrags wird zunächst ein Freibetrag von 14.000 Euro berücksichtigt. Übersteigt der Gewerbeertrag/Gewinn diesen Betrag, werden fällig:

bis 150.000,00 Euro0,70 Prozent
vom übersteigenden Betrag bis 250.000,00 Euro0,60 Prozent
vom weiteren übersteigenden Betrag bis 1.000.000,00 Euro0,50 Prozent
vom weiteren übersteigenden Betrag0,15 Prozent                                               

Zuschlag für Kapitalgesellschaften: Kapitalgesellschaften zahlen zusätzlich zum jeweiligen Grundbeitrag einen Zuschlag von 1 Prozent des Gewerbeertrages/Gewinnes. Dabei beträgt der Zuschlag mindestens 160 Euro und höchstens 355 Euro. Für die Berechnung des Zuschlages für Kapitalgesellschaften für neu eingetragene Betriebe ist im Eintragungsjahr und den drei folgenden Jahren der Gewerbeertrag/Gewinn aus Gewerbebetrieb des jeweiligen Veranlagungsjahres heranzuziehen.

( Rechtsgrundlage - Festsetzung der Handwerkskammerbeiträge - Beitragsbeschluss )



3. Warum wird der Beitrag nach dem Gewerbeertrag von vor drei Jahren berechnet?

Die Vollversammlung der Handwerkskammer legt jährlich das Bemessungsjahr fest, auf dessen Grundlage der Zusatzbeitrag und der Zuschlag für Kapitalgesellschaften berechnet werden. Dabei hat es sich bewährt, im Beschluss das dritte Vorjahr festzulegen. Für diesen Zeitpunkt haben nämlich die Finanzämter für die meisten Betriebe den Gewerbeertrag beziehungsweise Gewinn festgestellt. Rechnet man nur zwei Jahre zurück, lägen dagegen erst die Hälfte der Ertragsmeldungen vor. Das heißt: Für jeden zweiten Betrieb müsste der Ertrag und damit auch der Beitrag zur Handwerkskammer zunächst geschätzt und später korrigiert werden.

( Rechtsgrundlage - Beitragsordnung )



4. Wer zahlt einen Zuschlag auf den Grundbeitrag und warum?

Ein erhöhter Grundbeitrag gilt für die Rechtsformen:

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Aktiengesellschaft (AG)
  • Eingetragene Genossenschaft (EG)
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)
  • juristische Personen ausländischen Rechts

Die genannten Rechtsformen können Geschäftsführer- und Betriebsleitergehälter sowie Pensionsrückstellungen steuersenkend ansetzen. Damit reduziert sich ihr Gewerbeertrag, und der Zusatzbeitrag zur Handwerkskammer fällt niedriger aus als bei Betrieben, die diese Möglichkeiten nicht haben. Der Zuschlag zum Grundbeitrag dient also dazu, steuerliche Vorteile bei der Berechnung des Zusatzbeitrages gegenüber den übrigen Rechtsformen auszugleichen.



5. Für welchen Zeitraum gilt der Beitrag?

Der Handwerkskammerbeitrag ist ein Jahresbeitrag. Er gilt vom 1. Januar bis 31. Dezember eines Jahres. Beitragsjahr ist das Kalenderjahr ( Rechtsgrundlage - Beitragsordnung ).

Der Beitragsbescheid wird in der Regel im ersten Quartal des Jahres versandt.

Wenn der Betrieb erst im laufenden Jahr neu eingetragen wird, beginnt die Beitragspflicht ab dem Monat der Eintragung. Der erste Beitragsbescheid umfasst also den Zeitraum ab dem Monat Ihrer Eintragung bis Dezember des laufenden Jahres.



6. Wer ist Existenzgründer?

Alle natürlichen Personen (Einzelunternehmen), die erstmalig ein Gewerbe anmelden, sind in den ersten vier Kalenderjahren ganz oder teilweise vom Handwerkskammerbeitrag befreit. Dabei gelten folgende Regelungen:

In diesem Jahr:zahlen Sie:
Eintragungsjahrweder Grund- noch Zusatzbeitrag
2. und 3. Jahrden halben Grundbeitrag (derzeit 48,50 Euro),
aber keinen Zusatzbeitrag
4. Jahr den vollen Grundbeitrag (derzeit 97 Euro),
aber keinen Zusatzbeitrag

Ausnahme: Übersteigt der Gewerbeertrag/Gewinn des Betriebes 25.000 Euro pro Jahr, müssen wir die Befreiung rückgängig machen. In diesem Fall berechnen wir den Grund- und Zusatzbeitrag für das betreffende Kalenderjahr entsprechend nach. ( Rechtsgrundlage - Handwerksordnung )



7. Wofür wird der Beitrag verwendet und was leistet die Handwerkskammer für München und Oberbayern für meinen Betrieb?

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe und deren Beschäftigte in drei Bereichen: Selbstverwaltung, Interessenvertretung und Dienstleistungen.

Hinter unserer Arbeit steht die Grundidee der Selbstverwaltung der Wirtschaft. Das heißt: Über die Kammern gibt der Staat der Wirtschaft die Möglichkeit, ihre Angelegenheiten in eigener Verantwortung zu gestalten. Die Kammern leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Entbürokratisierung. Das Bundesverfassungsgericht sieht in ihrer Arbeit sogar eine freiheitssichernde Funktion, weil sie auf die Mitwirkung der Betroffenen setzt und unmittelbare Staatsgewalt vermeidet.

Selbstverwaltung

Der Staat hat den Handwerkskammern eine Reihe hoheitlicher Aufgaben zugewiesen. Beispielsweise sind sie dafür zuständig,

  • die Handwerks- und die Lehrlingsrolle zu führen,
  • die Berufsausbildung zu regeln,
  • Prüfungsordnungen zu erlassen und Prüfungsausschüsse zu bilden,
  • Sachverständige zu bestellen und zu vereidigen.

Interessenvertretung

Zweitens vertreten wir die Interessen der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk München und Oberbayern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Wir sind das Sprachrohr für die Belange des Handwerks, nehmen zu allen das Handwerk betreffenden politischen Vorhaben Stellung und bringen Ihre Forderungen und Verbesserungsvorschläge in die Politik ein.

Dienstleistungen

Als dritte zentrale Aufgabe erbringen wir maßgeschneiderte Dienstleistungen für unsere Mitglieder. Unsere Schwerpunkte sind individuelle Betriebsberatungen sowie die Aus- und Weiterbildung. Darüber hinaus steht die Handwerkskammer Beschäftigten und Lehrlingen sowie Jugendlichen und deren Eltern mit Rat und Tat zur Seite. Einen vollständigen Überblick über unsere Angebote finden Sie auf unserer Internetseite www.hwk-muenchen.de unter dem Schlagwort „ umfassender Service “.

Unsere Informations- und Beratungsleistungen sind im Kammerbeitrag enthalten, für unsere Bildungsangebote erheben wir eine kostendeckende Gebühr.

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