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Steven Weirather / pixabay.com

Berufsausbildung weiterhin unter Druck

20. April 2023 Statement von Präsident Peteranderl

„Ohne genügend Handwerkerinnen und Handwerker sieht unsere wirtschaftliche Zukunft düster aus. Deshalb müssen sich alle – und hier nicht zuletzt die Politik – dafür einsetzen, dass die duale Berufsausbildung den Stellenwert erhält, der ihr zusteht“, sagte der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern Franz Xaver Peteranderl.

Die Berufsausbildung in Deutschland steht weiterhin unter Druck. Vor allem im Handwerk verläuft die Entwicklung nach wie vor in vielen Bereichen unbefriedigend.

  • Nach Zahlen von Destatis wurden 2022 in der gesamten deutschen Wirtschaft 468.900 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen und damit 0,6 % mehr als im Vorjahr. Damit liegen die Abschlüsse aber noch immer deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau (2019: 510.900).
  • Im deutschen Handwerk verlief die Entwicklung sogar in die andere Richtung. Hier gab es einen Rückgang um 2,3 % auf 127.400.
  • Im bayerischen Handwerk gab es nach eigenen Zahlen 2022 einen Rückgang von 1,15 % auf 27.529 Neuabschlüsse, im Kammerbezirk München und Oberbayern hingegen einen Zuwachs von 2,24 % auf 9.001.
  • Die Besetzung von Lehrstellen wird durch den Anstieg der angebotenen Ausbildungsplätze bei gleichzeitigem Rückgang der Bewerberzahlen weiter erschwert. Nach Zahlen der Arbeitsagenturen waren in ganz Deutschland bis Mitte März 451.000 freie Lehrstellen gemeldet, aber nur 311.000 Bewerber.
  • In bayerischen Handwerksbetrieben blieben im letzten Ausbildungsjahr 8.100 Ausbildungsplätze unbesetzt, im Kammerbezirk waren es 2.400.
  • Seit Jahren beginnen mehr Schulabgänger ein Studium als eine Lehre.

Die von der Bundesregierung geplante „Ausbildungsgarantie“ geht deshalb völlig an der Realität vorbei. Sie ist sogar schädlich und wird die Situation der Dualen Berufsausbildung weiter erschweren, wenn Jugendliche in „außerbetriebliche Lehrstellen“ gelockt werden anstatt eine der zahlreichen offenen Lehrstellen in der Wirtschaft anzunehmen.

Neben der Wirtschaft muss sich deshalb auch die Politik für die Duale Berufsausbildung einsetzen und die richtigen Weichenstellungen vornehmen.

  • Notwendig ist jetzt vor allem, eine Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung von allgemeiner und beruflicher Bildung sicherzustellen. Dazu gehört auch eine zielgerichtete Förderung auf bedarfsgerechtem Niveau.
  • Keinesfalls darf der Dualen Berufsausbildung mit Konkurrenzsystemen in den Rücken gefallen werden.
  • Nach einer aktuellen Untersuchung verlassen jedes Jahr im Schnitt 6% der Abgänger die Schulen ohne Abschluss. Die Schulen müssen deshalb dringend dafür sorgen, die viel zu hohe Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss und ohne Ausbildungsfähigkeit gegen Null zu bringen. Es darf niemand mehr zurückgelassen werden.
  • Schließlich muss die Nachwuchswerbung weiter intensiv vorangebracht werden. Die Information, dass berufliche und allgemeine Bildung gleich wertig und gleich wichtig sind, muss alle Jugendlichen und nicht zuletzt auch ihre Eltern erreichen.



 

Robert Fleschütz

Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik, Statistik

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