Franz Xaver Peteranderl
Handwerkskammer für München und Oberbayern

BHT enttäuscht über Lockdown-Verlängerung

Peteranderl: "Immer mehr Lebensentwürfe und Existenzen in Handwerk und Mittelstand stehen auf dem Spiel"

11. Februar 2021

Das bayerische Handwerk zeigt sich enttäuscht über die von Bund und Ländern beschlossene Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 7. März. „Ein langfristiger Plan, wie mit der Pandemie umgegangen wird und wann die Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann, ist trotz der zu begrüßenden Öffnung für Friseure immer noch nicht erkennbar. Stattdessen hangelt man sich weiter von einer Lockdown-Verlängerung zur nächsten“, kritisiert Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT).

„Bayerns Handwerkerinnen und Handwerker möchten selbst ihren Lebensunterhalt verdienen, anstatt von Hilfszahlungen, die noch dazu erst mit großer Verzögerung fließen, abhängig zu sein“, so der BHT-Präsident weiter. Tausende Handwerksbetriebe im Freistaat, die nachweislich keine Pandemietreiber sind, über Monate stillzulegen, sei angesichts bewährter Hygienekonzepte unverhältnismäßig und koste den Steuerzahler Unsummen, argumentiert Peteranderl. Weil Hilfszahlungen verspätet eintreffen oder erst gar nicht beantragt werden können, müssten immer mehr Betriebsinhaberinnen und -inhaber an ihre Altersvorsorge ran und den Einnahmenausfall mit privaten Mitteln ausgleichen. Peteranderl: „So geht es nicht weiter: Mit jeder Woche, die der Lockdown verlängert wird, stehen mehr Lebensentwürfe und Existenzen in Handwerk und Mittelstand auf dem Spiel.“

Aktuell sind geschätzt ca. 90.000 Handwerksbetriebe im Freistaat mit bis zu 300.000 Beschäftigten direkt oder indirekt vom Corona-Lockdown betroffen. Neben schnellerer staatlicher Unterstützung und höheren Abschlagszahlungen fordert der BHT, die Liquidität der Betriebe durch steuerliche Maßnahmen zu stützen. Die kürzlich beschlossene Verdoppelung des Verlustrücktrags gehe an den Bedürfnissen des Handwerks weitgehend vorbei, betont Peteranderl. Stattdessen sollte der Verlustrücktrag auf zwei bis drei Jahre ausgeweitet werden. Die Betriebe könnten dann die Verluste aus 2020 mit den Gewinnen der Jahre 2019, 2018 und gegebenenfalls 2017 verrechnen und so ihre Steuerlast mindern. Peteranderl: „Die Regierungskoalition muss hier dringend nachbessern.“

Ebenso fordert der BHT, die Bildungsstätten des Handwerks wieder für Maßnahmen zur Berufsorientierung und Weiterbildungskurse zu öffnen: „Wir brauchen die Werkstätten, um Nachwuchs für das Handwerk zu werben und unsere Fachkräfte auf dem neuesten Stand zu halten“, betont der BHT-Präsident.

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