argum / Falk Heller

23.000 neue Azubis im bayerischen HandwerkPeteranderl: "Viele Karrieren sind ohne Studium möglich"

31. August 2026

23.000 junge Leute beginnen Anfang September ihre Berufsausbildung im bayerischen Handwerk. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von vier Prozent. Damit behauptet sich das Handwerk als bedeutender und zuverlässiger Ausbilder im Freistaat. „Das durch die Corona-Pandemie verursachte Minus bei den Lehrverträgen ist Geschichte. Aktuell liegen wir um knapp zwei Prozent über dem Niveau von Ende August 2019. Der Anstieg ist auch deshalb bemerkenswert, weil er sich über viele Gewerke erstreckt und nicht auf Sondereffekten in einigen wenigen Berufen beruht“, betont Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT). Peteranderl führt das Plus auch auf die sich wandelnde Arbeitswelt zurück: „Künstliche Intelligenz ersetzt in vielen Bereichen der Wirtschaft zunehmend Arbeitsabläufe und Prozesse. Auch im Handwerk unterstützt KI die Mitarbeitenden. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbereichen werden Algorithmen handwerkliche Tätigkeiten jedoch nicht ersetzen können.“ Hinzu kommt das große Engagement der Handwerksorganisationen bei der Nachwuchswerbung: „Kammern, Innungen und Verbände sind auf Berufsmessen und in Schulen präsent, öffnen ihre Bildungszentren und laden zu besonderen Aktionstagen wie dem verpflichtenden ‚Tag des Handwerks‘ an den weiterführenden Schulen im Freistaat ein“, macht der BHT-Präsident deutlich.

Das Handwerk bietet eine breite Palette von über 130 Handwerksberufen mit der passenden Ausbildung für jedes Talent. „Unabhängig vom Schulabschluss kann im Handwerk jeder durchstarten. Auch ohne Studium stehen Handwerkerinnen und Handwerkern viele Karrierewege offen, der Meisterbrief ist laut dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt. Handwerksmeister können sich selbstständig machen, einen Betrieb übernehmen und selbst ausbilden“, erklärt der BHT-Präsident. Auch Fachkräfte mit einer handwerklichen Ausbildung sind stark gefragt: Aktuell melden die bayerischen Arbeitsagenturen rund 31.000 offene Stellen in Handwerksberufen. Engpässe gibt es vor allem im Elektrohandwerk, in der Gebäudetechnik sowie im Kfz-Bereich. „Der tatsächliche Fachkräftebedarf im Handwerk dürfte noch höher liegen, da den Arbeitsagenturen nicht alle vakanten Stellen mitgeteilt werden“, schätzt Peteranderl.

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit gibt es im bayerischen Handwerk aktuell noch mehr als 6.800 offene Lehrstellen. Der BHT-Präsident macht daher allen jungen Leuten Mut, die noch einen Ausbildungsplatz suchen: „Bereits in wenigen Tagen beginnt die Phase der Nachvermittlung. Der Start in eine handwerkliche Lehre ist theoretisch jederzeit möglich.“

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