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David Cray / pixabay.com

Alle Mittel zur Sicherstellung der Energieversorgung nutzen

4. August 2022 - Statement von Präsident Peteranderl

„Die Sicherstellung der Energieversorgung wird entscheidend für unsere wirtschaftliche Zukunft. Wir müssen deshalb alle, wirklich alle Möglichkeiten nutzen, um über den Winter zu kommen“, sagte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages sowie der Handwerkskammer für München und Oberbayern Franz Xaver Peteranderl.

Energiepolitische Forderungen an Bundeswirtschaftsminister Habeck

Auch das Handwerk macht sich inzwischen große Sorgen um die Energieversorgung im kommenden Winter. Viele Handwerksbetriebe mit energieintensiven Produktionsprozessen sind vor allem auf eine funktionierende Gasversorgung angewiesen.

Eine schnelle Umstellung auf andere Energieträger ist in der Regel nicht möglich. Der Bayerische Handwerkstag hat sich deshalb in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Habeck gewandt und ihn aufgefordert, auch wirklich alle Maßnahmen zu nutzen, die dafür sorgen, unsere Energieversorgung über den Winter sicherzustellen.

Bayern besonders gefährdet

In Bayern sind die Herausforderungen für die Sicherheit der Energieversorgung besonders groß. Zum einen, weil Atomausstieg und Energiewende Bayern, wo 2003 noch knapp zwei Drittel des Stroms in Kernkraftwerken erzeugt wurden, besonders fordern.

Zum anderen, weil Bayern fernab der geplanten Terminals für Flüssigerdgas und der großen Speicher im Nordwesten liegt. Die Ankündigung Österreichs, den für Bayern wichtigen Gasspeicher Haidach bei Salzburg möglichst bald auch mit dem österreichischen Netz zu verbinden, sorgt zusätzlich für Verunsicherung.

Gas sparen und Alternativen für Stromerzeugung nutzen

Deshalb müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, um schon jetzt Gas zu sparen, die Speicherbefüllung zu erhöhen und damit die Versorgung im Winter sicherzustellen. Nach wie vor werden große Mengen Gas zur Stromerzeugung eingesetzt. Deshalb muss die Energieversorgung als Ganzes gesehen werden.

Strom- und Gasversorgung können nicht auseinanderdividiert werden. Es müssen alle zur Verfügung stehenden Mittel genutzt werden, um auf den Einsatz von Gas im Stromsektor weitgehend verzichten zu können. Eine Chance bietet hier besonders auch die Atomkraft, die gesicherte Leistung klimaschonend bereitstellen kann. Deren Nutzung über das Jahresende hinaus darf keinesfalls ausgeschlossen werden. Alle Optionen müssen vorurteilsfrei geprüft werden, welchen Beitrag sie zu einer sicheren Versorgung leisten können.

Energieversorgung dauerhaft krisenfest machen

Die derzeitige Versorgungskrise muss aber auch zum Anlass genommen werden, die Energiepolitik in Deutschland grundsätzlich zu überdenken. Das Handwerk unterstützt die Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes.

Ansätze, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz sind richtig und müssen weiter konsequent verfolgt werden. Sie machen Deutschland ein Stück unabhängiger. Allerdings zeigt die Situation, dass diese Maßnahmen allein ein tragfähiges energiepolitisches Konzept für eine Industrienation nicht gewährleisten. Deutschland als führende Wirtschaftsnation braucht eine Energieversorgung, die nachhaltig, aber ebenso wirtschaftlich, versorgungssicher und krisenstabil ist und die robust gegenüber unterschiedlichen wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen ist.

Zu lösen ist dabei vor allem die Aufgabe, wie die volatilen erneuerbaren Energien durch gesicherte Leistung in wind- und sonnenarmen Zeiten unterstützt werden können. Voraussetzungen, um ein solches Konzept zu verwirklichen, sind Technologieoffenheit, ein Rahmen, der marktwirtschaftliche Suchprozesse fördert und zugleich gezielte Investitionen in die Infrastruktur.



 

Robert Fleschütz
Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik und Statistik

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