Betriebsnachfolge - Chancen und Risiken

Haben Sie schon darüber nachgedacht, wer einmal Ihren Betrieb weiterführt? Oder möchten Sie als Existenzgründer ein Handwerksunternehmen übernehmen? Betriebsberater Peter Badmann berät gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen zur Betriebsnachfolge. Er hat bewährte Tipps für Sie.

Ein Inhaber eines Handwerksbetriebes sucht einen Nachfolger und möchte seinen Betrieb möglichst gewinnbringend verkaufen. Was raten Sie ihm?

Jedem Betriebsinhaber ist natürlich die Frage des Kaufpreises enorm wichtig, denn viele Betriebsinhaber sehen hierin einen Baustein der  Altersvorsorge. Aus Sicht des Nachfolgers ist der Betrieb aber eine Erwerbsgrundlage. Daher sollte das Unternehmen gut und breit aufgestellt sein: das gilt für die Qualifikation und das Alter der Mitarbeiter genauso wie für den Maschinenpark.  

Wir erarbeiten für den Inhaber eine realistische Kaufpreiseinschätzung und raten ihm, rechtzeitig zu planen. Der ideale Zeitpunkt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist Mitte 50. Da hat man noch Zeit, den Betrieb ideal für die Zukunft aufzustellen.

Bei Inhabern, die erst sehr spät übergeben möchten, finden wir oft Betriebe vor, in denen in den Jahren zuvor eine Art „Betriebsschrumpfung“ stattgefunden hat, d.h. es wurden Mitarbeiter ausgestellt oder der Betrieb war nur noch an 3-4 Tagen in der Woche geöffnet. Worin soll dann aber der Anreiz für eine Betriebsnachfolge bestehen?



Warum sollte ich als Existenzgründer ein schon bestehendes Unternehmen übernehmen? Welche Vorteile gibt es?

Bei einer Betriebnachfolge übernimmt der Nachfolger die Mitarbeiter, die bestehenden Kunden, den Firmennamen bzw. die Geschäftsbezeichnung, die Maschinen und den Standort. Er kauft also das gesamte Paket. Das bedeutet für ihn natürlich ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Einschneidende Änderungen im Betrieb sind aber zunächst schwierig, was zum Beispiel auch für Verrechnungspreise gilt.

Meist ist auch nicht das komplette Paket zu kaufen. In vielen Handwerksbetrieben und bestimmten Branchen ist der Betriebssitz zum Beispiel mit am Haus, so dass sich der Übernehmer oft eine neue Betriebsstätte suchen muss. Oder dass etliche Kunden dem neuen Inhaber nicht treu bleiben. Wenn ein Mitarbeiter das Handwerksunternehmen übernimmt, steigt er vom Kollegen zum Chef auf. Seine Rolle ändert sich und er muss natürlich seine „alte“ Stelle nachbesetzen.

Alle Faktoren analysieren wir aber in unserer Beratung. Denn jede Betriebsnachfolge ist ganz individuell.



Was ist bei einer familieninternen Übergabe anders oder besonderszu beachten?

Eine Betriebsübergabe hat immer betriebswirtschaftliche, rechtliche, steuerliche und ganz besonders auch menschliche Aspekte. Familienübergaben machen in unserer Betriebsnachfolgeberatung etwa 50 Prozent aus und in der Regel klappt das sehr gut. Die Familiendynamik ist ein wichtiger Faktor. Welches Kind bekommt was und zu welchem Zeitpunkt?

Gute Erfahrung haben unsere Kunden mit der Paketlösung gemacht: bei der Übergabe am besten alle Objekte durch einen Erbvertrag regeln. Ganz wichtig: Erb- und Steuerrecht. Oft möchten die Eltern bei der Übergabe die Immobilie, in der sich der Betrieb befindet, noch behalten. Achtung, das löst in der Regel ein erhebliches steuerliches Problem aus.

In unsere Beratung lassen wir natürlich die neuesten Entwicklungen zur Erbschaft- und Schenkungsteuer mit einfließen. Aus der Reform möchte ich das Thema Lohnsummenklausel hervorheben. Dadurch wird nicht unmittelbar eine Steuer ausgelöst, aber trotzdem muss man sich aufgrund der Behaltensfrist damit beschäftigen.



Wie läuft eine Betriebsübergabe optimal ab?

Wenn beide Seiten fair miteinander umgehen. Der Inhaber sollte bereit sein, loszulassen. Der Nachfolger sollte sich „irgendwann“ entscheiden. Ideal ist es, wenn beide Seiten eine realistische Kaufpreiseinschätzung bekommen.

Was hätte ein Verkäufer davon, wenn der Kaufpreis zu hoch angesetzt wird? Keine Finanzierung durch die Bank, Mietausfall bei Vermietung der Immobilie durch Familienmitglieder, Mitarbeiter würden ihren Arbeitsplatz verlieren und der Ruf des aufgebauten Betriebs würde leiden.

Peter Badmann

Peter Badmann ist einer von 14 betriebswirtschaftlichen Beratern der Handwerkskammer.

Peter Badmann
Betriebswirtschaftliche Beratung

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Erklärvideo zur Betriebsnachfolge