Franz Xaver Peteranderl
Franz Xaver Peteranderl

Handwerk wegen Konjunkturentwicklung besorgt

Peteranderl: "Betriebe blicken skeptisch auf das neue Jahr"

22. Dezember 2020

„Die Corona-Pandemie hat den langjährigen Aufschwung im Handwerk abrupt ausgebremst. Viele Betriebe erlitten Umsatzeinbrüche, Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit gehen. Dementsprechend skeptisch blicken die oberbayerischen Betriebe auf das kommende Jahr“, berichtet Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl. Jährlich erstellt die Handwerkskammer mit Unterstützung ihrer Mitglieder im November ein Stimmungsbild zur Entwicklung im kommenden Jahr. Die Antwort fiel deutlich aus: Noch nie gemessene 39 Prozent (Vorjahr: 14 Prozent) fürchten in 2021 Umsatzeinbußen. Nur 15 Prozent rechnen im kommenden Jahr mit steigenden Umsätzen. 46 Prozent erwarten keine Veränderung.

Auch die Fragen nach der Beschäftigungs- und Investitionsplanung deuten auf einen verhaltenen Start ins neue Jahr hin. 13 Prozent erwarten in 2021 eine Zunahme der Mitarbeiter (2019: 25 Prozent), 13 Prozent wollen in Gebäude und Maschinen investieren (Vorjahr: 29 Prozent). Da die Corona-Krise den Bedarf an qualifiziertem Personal vorübergehend hat schrumpfen lassen, entspannt sich der Fachkräftebedarf. Aktuell liegt der Anteil der Firmen, die alle Stellen besetzt haben, bei 52 Prozent. 2019 war das nur bei 38 Prozent der Betriebe der Fall. 48 Prozent verfügen über offene Stellen, darunter 18 Prozent, bei denen der Personalmangel das Wachstum hemmt. Erneut verlor rund ein Fünftel der Befragten in diesem Jahr Arbeitskräfte an die Industrie und andere Wirtschaftsbereiche. 2019 war dies bei 27 Prozent der Betriebe der Fall.

Auf die Frage, wie der Fachkräftemangel aufgefangen werden kann, antworteten 49 Prozent der Befragten mit „finanziellen Anreizen“. Ebenfalls 49 Prozent setzen auch in Corona-Zeiten auf die verstärkte eigene Ausbildung. 35 Prozent würden Überstunden anordnen, um die Arbeit zu bewältigen. Auch die Höherqualifizierung der Belegschaft spielt mit 36 Prozent eine bedeutende Rolle. 26 Prozent wollen versuchen, ältere Mitarbeiter länger im Betrieb zu halten. Dagegen rechnen aktuell nur noch 15 Prozent der Befragten mit Unterstützung durch Fachkräfte aus dem Ausland.

Nach den größten Herausforderungen für 2021 gefragt, rangiert die überbordende Bürokratie weiterhin unangefochten an der Spitze. Für das Handwerk ist die Schraube hier längst überdreht. Neben der Bürokratie (67 Prozent) steht erneut die Belastung durch Steuern und Abgaben (55 Prozent) auf Platz 2 der Liste. Zwar hat die Politik schon mehrere Bürokratieentlastungsgesetze auf den Weg gebracht, doch das Handwerk spürt davon nur wenig. Vielmehr verschlingen immer neue Pflichten und Anforderungen kostbare Arbeitszeit. Der Groll über Regularien und Dokumentationspflichten geht so weit, dass vor allem ältere Inhaber immer häufiger ans Aufhören denken. Außerdem werden potenzielle Betriebsnachfolger abgeschreckt. Zu den schmerzhaftesten „Daumenschrauben“ zählen Informations- und Dokumentationspflichten, Datenschutz sowie die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge.

Erstmals seit langer Zeit bereitet aber auch die unsichere Konjunktur- und Nachfrageentwicklung den Betrieben Kopfzerbrechen. Es zeichnet sich eine spürbare Verschärfung der Konkurrenzsituation ab. Mit 37 Prozent rangiert die Konjunktur auf Platz 3 der größten Herausforderungen. Im Vorjahr machte sich darüber nur jeder fünfte Betrieb Sorgen. 30 Prozent der Befragten sehen die Nachwuchssicherung als Problem. 20 Prozent haben das Schritthalten mit der technischen Entwicklung als große Herausforderung in 2021 genannt. Dies ist wohl eine Folge des massiven technologischen Umbruchs, den die rasant fortschreitende Digitalisierung mittlerweile auch im Handwerk ausgelöst hat. Die Corona-Krise dürfte diesen Prozess noch beschleunigt haben.

42 Prozent aller Umfrageteilnehmer können noch nicht einschätzen, wann ihre Umsätze das Niveau von vor der Pandemie wieder erreichen. Lediglich vier Prozent haben es bereits geschafft, sieben Prozent rechnen damit bis spätestens Ende 2021. Allerdings blieben 47 Prozent der Betriebe bisher auch von finanziellen Einbußen verschont.

Kammerpräsident Peteranderl fordert neben einer schnelleren Auszahlung der Corona-Hilfen auch einen Fahrplan, wie es Anfang 2021 weitergeht: „Handwerk und Mittelstand brauchen eine klare Perspektive, wann der Lockdown endet.“

 Ansprechpartner

Jens Christopher Ulrich
Stabsstellenleiter, Pressesprecher

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