PK Konjunktur Oktober 2019
Handwerkskammer für München und Oberbayern

Handwerkskammer warnt vor falschen Weichenstellungen in München

Peteranderl: "Wirtschaftspolitik darf nicht in die Sackgasse führen"

29. Oktober 2019

„Das Handwerk wird sich den nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft nicht auf ewig entziehen können“, betonte Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen, „da wir der gesamtwirtschaftlichen konjunkturellen Entwicklung aber etwas zeitverzögert folgen, bleiben die kurzfristigen Aussichten für das Handwerk vorerst positiv.“

Im 3. Quartal 2019 beurteilten 58 Prozent der Befragten im oberbayerischen Handwerk ihre Lage als gut, weitere 35 Prozent als befriedigend. Im Vorjahresvergleich ergibt dies insgesamt ein Plus von einem Prozentpunkt. Zum ersten Mal seit fünf Jahren stagnierten die Auftragsbestände in einem 3. Quartal, wobei das Handwerk hier ein heterogenes Bild abgibt: Während in der Bau- und Ausbaubranche die Reichweite auf 12 bzw. 10,5 Wochen zulegte, blieb sie in den restlichen Handwerksgruppen hinter dem Vorjahreswert zurück. Im Durchschnitt ergibt sich ein Auftragsbestand von 8,9 Wochen, so viel wie vor Jahresfrist. Auch die Auslastung blieb mit im Schnitt 82 Prozentpunkten das vierte Jahr in Folge konstant. Peteranderl: „Der im langjährigen Vergleich äußerst hohe Wert belegt die nach wie vor gute Gesamtlage des Handwerks.“

Umsatzplus von nominal vier Prozent für 2019 erwartet

Für den Berichtszeitraum erwartet die Kammer für das oberbayerische Handwerk einen Umsatz von ca. 11,1 Milliarden Euro. Im Jahresvergleich ist das ein nominales Plus von 4,5 Prozent. Zieht man die Preissteigerung von derzeit gut drei Prozent ab, verbleibt im Durchschnitt ein reales Umsatzplus von etwa 1,3 Prozent. Der Anteil der Betriebe, die ihre Beschäftigung ausweiten konnten, lag im 3. Quartal bei 22 Prozent. Bei 66 Prozent veränderte sich die Zahl der Mitarbeiter nicht, 12 Prozent reduzierten ihre Belegschaft (-3 Punkte im Vorjahresvergleich). Ende September waren etwa 314.300 Personen im oberbayerischen Handwerk tätig, 0,7 Prozent oder rund 2.000 mehr als im September 2018. Besonders erfreulich entwickelte sich im Berichtszeitraum die Investitionstätigkeit: Der Anteil der investierenden Betriebe erreichte 40 Prozent und lag um acht Punkte deutlich über dem Vorjahreswert. Nach Kammerschätzung wurden zwischen Juli und September im oberbayerischen Handwerk etwa 285 Millionen Euro für Investitionsgüter ausgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von 7,5 Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk sank dagegen um 0,1 Prozent auf gut 79.200.

87 Prozent der Befragten rechnen mit einer guten oder gleichbleibenden Entwicklung bis zum Jahresabschluss (-4 Punkte im Vorjahresvergleich). Für das Gesamtjahr ist im oberbayerischen Handwerk ein Umsatzplus von nominal vier Prozent zu erwarten. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um 0,9 Prozent zulegen, die Investitionen um rund sechs Prozent wachsen.

"Münchner Verkehrspolitik nicht einem falsch verstandenen Zeitgeist opfern"

„Unsere Betriebe sind ein wichtiger Teil der ‚Münchner Mischung‘ und leisten ihren Beitrag, damit sich die Wirtschaft in der Landeshauptstadt auch in konjunkturellen Durststrecken als krisenfest erweisen kann. Doch München muss aufpassen, dass diese erfolgreiche Politik nicht durch falsche Weichenstellungen in die Sackgasse führt. Vor allem die Verkehrspolitik darf nicht einem falsch verstandenen Zeitgeist geopfert werden“, betonte Peteranderl. Die Handwerkskammer ist gesprächsbereit, wenn Autoverkehr im Stadtgebiet strategisch klug reduziert werden kann. Allerdings darf dies nicht ausschließlich auf dem Rücken des Handwerks und seiner Beschäftigten passieren. Die Betriebe müssen sich mit ihren Fahrzeugen in der Stadt frei bewegen können, um erfolgreich zu wirtschaften. Der Kammerpräsident: „Wie man es nicht machen sollte, lässt sich aktuell in der Fraunhoferstraße beobachten.“ Mit Beginn der Sommerferien wurden dort 120 Parkplätze ersatzlos gestrichen und durch Radwege ersetzt. Trotzdem muss dort weiter gehalten und geparkt werden können, um Waren ein- und auszuladen. Die Lieferzonen befinden sich in Querstraßen und damit oft zu weit weg. „Es ist bedauerlich, dass die Politik zuerst Fakten geschaffen und danach über mögliche Konsequenzen nachgedacht hat“, sagte Peteranderl.

Der Kammerpräsident wies darauf hin, dass das Bundesverkehrsministerium in diesem Sommer den Entwurf für eine neue Straßenverkehrsordnung (StVO) mit höheren Bußgeldern vorgelegt hat und plant, das Parken in zweiter Reihe, auf Geh- und Radwegen sowie das Halten auf Schutzstreifen künftig mit bis zu 100,- Euro und damit sogar mit Punkten in Flensburg zu sanktionieren. Der Kammerpräsident: „Natürlich muss geltendes Recht vollzogen werden. Im Fall der Fraunhofer- und anderer Straßen würde dies aber für unsere Handwerker bedeuten, dass Liefern und Leisten nur noch möglich ist, wenn Vorschriften übertreten werden. Außerdem spielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Führerschein, der für die Ausübung des Berufs existenziell wichtig ist. Wir unterstützen daher ausdrücklich den Vorschlag der Firma Kilian, in der Fraunhoferstraße einzelne Stellplätze für Lieferanten einzurichten und dafür den Radweg zu verschmälern.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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