PK Konjunktur Januar 2020
Handwerkskammer für München und Oberbayern

Handwerkskonjunktur entwickelt sich weiter positiv

Peteranderl: "Stimmungsaufheller für die sich abkühlende Wirtschaft"

31. Januar 2020

„Nachdem das deutsche Bruttoinlandsprodukt in 2019 preisbereinigt nur noch um 0,6 Prozent wuchs, wirkt das Handwerk mit seinen guten Zahlen und einem positiven Jahresausblick als Stimmungsaufheller“, betonte Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen.

Auch im 4. Quartal 2019 blieb die wirtschaftliche Lage im Handwerk positiv. 57 Prozent der befragten oberbayerischen Handwerksunternehmer beurteilten ihre Geschäftslage als gut, weitere 34 Prozent als befriedigend. Mit insgesamt 91 Punkten verfehlte der Indikator zwar das Vorjahresergebnis um zwei Punkte, rangiert jedoch weiterhin auf sehr hohem Niveau. Zwar hinterlässt die Industrierezession auch bei den Zulieferern und Unternehmensdienstleistern im Handwerk ihre Spuren, doch der insgesamt stabile Arbeitsmarkt, Lohnzuwächse und niedrige Zinsen halten das Konsumklima und die ungebrochen starke Bautätigkeit weiterhin am Laufen. Von alldem profitiert die Handwerkskonjunktur in besonderem Maße. Im 4. Quartal berichteten 78 Prozent der Befragten von gestiegenen oder konstanten Auftragseingängen. Damit lag dieser Wert um zwei Punkte unter dem Vorjahresergebnis. Die Betriebe im Kammerbezirk waren zum Jahresende im Durchschnitt zu 81 Prozent ausgelastet. Das entspricht exakt dem Niveau des Vorjahres. Die durchschnittliche Orderreichweite erhöhte sich im Berichtszeitraum um 0,1 auf 8,2 Wochen.

4,5 Prozent nominales Umsatzplus in 2019

83 Prozent der befragten Unternehmen rechneten für das 4. Quartal 2019 mit steigenden oder zumindest gleichbleibenden Umsätzen, ein Punkt weniger im Vergleich zum Vorjahr. Vor diesem Hintergrund schätzt die Kammer den Umsatz des oberbayerischen Handwerks im Berichtszeitraum auf rund 12,6 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von nominal 4,3 Prozent. Für das Gesamtjahr 2019 rechnet das Handwerk im Kammerbezirk mit einem Umsatz von knapp 44 Milliarden Euro. Das entspräche einem nominalen Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2018. Abzüglich der Preissteigerung verbleibt immer noch ein realer Zuwachs von 1,3 Prozent. Die Preissteigerung betrug im 4. Quartal nach Schätzungen 3,2 Prozent und lag damit etwa auf Vorjahresniveau. Insgesamt rangiert das Handwerk jedoch deutlich über der Inflationsrate der Gesamtwirtschaft, die bei etwas über einem Prozent stagniert. Getrieben wurde die Preisentwicklung im Handwerk vor allem von den Bau- und Ausbaugewerken. Dort schlägt sich der Fachkräftemangel zunehmend in höheren Preisen und längeren Wartezeiten nieder. Aber auch die vom Staat verordneten Energie- und Recyclingauflagen treiben die Preise im Bauhandwerk nach oben.

Die Einschätzung der Beschäftigungssituation fiel bei den Befragten im Berichtszeitraum etwas negativer aus als im Vorjahresquartal: 84 Prozent gehen von einer steigenden oder gleichbleibenden Beschäftigung aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Rückgang um vier Punkte. Laut einer Umfrage der Kammer haben im vergangenen Jahr 27 Prozent der Handwerksunternehmen Arbeitskräfte an die Industrie oder andere Wirtschaftsbereiche verloren. 2018 lag dieser Wert noch bei 31 Prozent. Nach Schätzung der Kammer waren Ende Dezember 2019 etwa 307.500 Personen im oberbayerischen Handwerk tätig. Binnen Jahresfrist entspricht dies einem Zuwachs von 0,2 Prozent. Das hohe Wachstumstempo von über einem Prozent aus dem ersten Halbjahr 2019 konnte nicht gehalten werden. Im Jahresdurchschnitt waren 309.700 Personen im oberbayerischen Handwerk tätig. Das entspricht einem Plus von 0,7 Prozent.

Die Investitionstätigkeit hat im 4. Quartal 2019 dagegen erneut kräftig angezogen. Nicht zuletzt wegen der niedrigen Zinsen und der guten wirtschaftlichen Lage haben die Betriebe finanziellen Spielraum. 41 Prozent investierten in neue Fahrzeuge, Maschinen, Gebäude oder Software, ein Plus von vier Punkten gegenüber dem Vorjahresquartal. Im traditionell investitionsfreudigen Lebensmittelhandwerk erreichte der Wert gar 68 Prozent. Dort dürfte allerdings auch die seit Jahresbeginn geltende Pflicht zur Belegausgabe viele Betriebe zu Neuanschaffungen oder Nachrüstungen ihrer Kassensysteme gezwungen haben. Nach Hochrechnungen der Kammer wurden von Oktober bis Dezember 350 Millionen Euro investiert, 6,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr dürfte die Investitionssumme etwa 1,2 Milliarden Euro betragen, 6,6 Prozent mehr als 2018. Nachdem die Zahl der Handwerksbetriebe über die ersten neun Monate hinweg stagnierte, zog sie zum Jahresende um 0,3 Prozent auf gut 79.600 an. Ein Grund dürfte die unmittelbar bevorstehende Wiedereinführung der Meisterpflicht in 12 Gewerken sein.

Für das 1. Quartal 2020 erwarteten neun Prozent der Befragten im oberbayerischen Handwerk eine verbesserte und 73 Prozent eine konstante Geschäftslage. Damit liegt der Indikator um drei Punkte unter dem Vorjahreswert. Für 2020 wird ein Umsatzplus von gut drei Prozent bei nachlassender Preissteigerung erwartet. Die Beschäftigung dürfte um 0,5 Prozent zulegen.

Handwerkskammer richtet "Brexit-Hotline" ein

Den bevorstehenden Austritt Großbritannien aus der EU kommentierte Peteranderl wie folgt: „Ob es bis Ende dieses Jahres gelingt, ein Freihandelsabkommen zu verhandeln, ist äußerst fraglich. Ein No-Deal muss natürlich verhindert werden. Doch genauso wichtig ist es, dass die EU in den anstehenden Verhandlungen geschlossen auftritt und entschlossen für den Erhalt des Binnenmarktes mit seinen Grundfreiheiten kämpft. Großbritannien darf sich nicht die Rosinen aus dem vereinigten Europa herauspicken, das andere mit ihren Beiträgen finanzieren.“ Momentan berät die Kammer nur Einzelfälle, etwa im Bereich der Arbeitnehmerentsendung. Handwerksunternehmen, die in Großbritannien aktiv sind, kommen vor allem aus dem Baugewerbe. Größere Infrastrukturprojekte wurden jedoch bereits vor dem Brexit beschlossen. Betroffene Unternehmen haben sich frühzeitig auf den Brexit vorbereitet, z.B. Lager für Ersatzteile angemietet oder entsprechende Klauseln in die Verträge aufgenommen. Der Kammerpräsident: „Wir gehen davon aus, dass sich im Laufe der nächsten Monate bei dem einen oder anderen Betrieb dennoch weitere Fragen ergeben. Bei der Beantwortung helfen wir unseren Mitgliedsunternehmen mit einer eigens eingerichteten Brexit-Hotline.“

Bei der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern könnte ab März zumindest teilweise das so genannte „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ helfen. Peteranderl: „Wir begrüßen, dass es damit einfacher wird, beruflich qualifizierte Fachkräfte ins Land zu holen.“ Die Handwerkskammer für München und Oberbayern ist neben Frankfurt an der Oder, Koblenz und Oldenburg eine von vier zentralen Anerkennungskammern, die sich um Anträge aus dem Ausland kümmert. Diese werden von der neu gegründeten Zentralen Servicestelle der Bundesagentur (ZSBA) in Bonn nach München weitergeleitet. Von dort aus werden sie unter den zentralen Anerkennungskammern verteilt oder direkt an eine andere Handwerkskammer gerichtet, wenn jemand zweifelsfrei in deren Bezirk arbeiten möchte. „Wie die Anerkennung sich dann in der Praxis gestaltet und wie viele Verfahren tatsächlich auf uns zukommen, werden wir erst nach Inkrafttreten des Gesetzes genau sagen können. Eines steht aber jetzt schon fest: Der gesamte Prozess wird sehr herausfordernd, denn es geht ja auch um Sprachbarrieren, die überwunden werden müssen und die möglichst zügige Erteilung von Visa“, betonte Peteranderl. Nichtsdestotrotz müsse man aber auch versuchen, die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter zu reduzieren und Menschen, die von der Industrie in diesem Jahr freigestellt werden könnten, schnell neue Jobangebote zu machen. Der Kammerpräsident: „Das Handwerk steht hierfür gerne bereit.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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