PK Konjunktur Oktober 2020
Handwerkskammer für München und Oberbayern

Handwerkskonjunktur leicht erholt, aber die Krise hält an

Peteranderl: "Ein zweiter Shutdown wie im Frühjahr muss unbedingt verhindert werden"

22. Oktober 2020

Auch wenn die Lockerungen nach dem Shutdown zu einer spürbaren Erholung der Wirtschaft geführt haben, reicht dieser Aufschwung nicht aus, um die Verluste aus dem Frühjahr auszugleichen. „Die Erholung der Wirtschaft steht weiterhin auf äußerst wackeligen Füßen. Die Corona-Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Damit die Unternehmen Umsätze erwirtschaften, Menschen beschäftigen und junge Leute ausbilden können, muss ein zweiter Shutdown wie im Frühjahr unbedingt verhindert werden“, forderte Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen im oberbayerischen Handwerk.

Die Stimmung bei den Betrieben im Kammerbezirk hat sich im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 7 Punkte auf 80 Prozent verbessert: 48 Prozent der Betriebe bezeichneten ihre Lage als gut und weitere 32 Prozent als befriedigend. Vergleicht man diese Werte jedoch mit dem 3. Quartal 2019, ergibt sich ein Minus von 13 Punkten. Mit Blick auf die verschiedenen Gewerke sieht man, wie unterschiedlich stark diese bislang von der Pandemie getroffen wurden. Bei den Bau- und Ausbauhandwerken, die weiterhin über große Auftragsreserven verfügen, meldeten 97 bzw. 89 Prozent eine gute bzw. zufriedenstellende Geschäftslage. Bei den verbrauchernahen Dienstleistern, wie Augenoptikern, Orthopädietechnikern, Friseuren, Kosmetikern etc., liegt dieser Wert dagegen nur bei 45 Prozent. Auch wenn die intakte Baukonjunktur derzeit die Gesamtentwicklung im Handwerk stabilisiert, stecken Industriezulieferer, das Kfz-Handwerk und die privaten Dienstleister weiterhin in der Krise.

„Die Erholungsbewegung der Wirtschaft verlief zunächst sehr schnell und hat manche von einem raschen, V-förmigen Konjunkturverlauf träumen lassen. Die letzten Wochen haben dann aber gezeigt, dass der Weg aus der Krise kein leichter sein wird“, so Peteranderl. Dies spiegelt sich in den Auftragseingängen wider, die zuletzt nicht mehr so stabil waren. In der Umfrage meldeten 71 Prozent eine verbesserte oder zumindest konstante Auftragslage. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch um zehn Prozentpunkte höher. Die Betriebsauslastung nahm gegenüber dem Vorquartal um 2 Punkte auf 78 Prozent zu. Verglichen mit dem Vorjahreswert fiel das Ergebnis jedoch um 4 Punkte schwächer aus und liegt damit weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von 81 Prozent für ein 3. Quartal.

72 Prozent der Befragten aus dem Münchner und oberbayerischen Handwerk verzeichneten im Berichtszeitraum steigende oder gleichbleibende Umsätze. Gegenüber dem Vorquartal ist das ein Anstieg von 13 Punkten. Blickt man jedoch auf das 3. Quartal 2019, so steht unterm Strich ein Rückgang von 11 Punkten. Hier zeigt sich besonders die Heterogenität der Handwerksgruppen: Während im Bauhauptgewerbe nur 9 Prozent der Befragten gesunkene Umsätze meldeten, waren es bei den Industriezulieferern 44 und im Kfz-Handwerk 46 Prozent. Der durchschnittliche Auftragsbestand der Betriebe betrug Ende September 7,9 Wochen – eine Woche weniger als noch vor Jahresfrist.

10,8 Milliarden Euro Umsatz im 3. Quartal

Nach vorläufigen Schätzungen wurden im 3. Quartal im oberbayerischen Handwerk Umsätze in Höhe von insgesamt rund 10,8 Milliarden Euro erzielt, ein Minus von nominal 3 Prozent gegenüber 2019. Da aber sowohl Bau als auch Ausbau ein Umsatzwachstum verzeichneten, muss der Rückgang in den anderen Handwerksbranchen deutlich höher liegen. Der Shutdown und die folgende Rezession in der Gesamtwirtschaft haben auch im Handwerk Arbeitsplätze gekostet – glücklicherweise bislang aber nur in geringem Maß. Ende September waren nach ersten Schätzungen etwa 311.600 Personen im oberbayerischen Handwerk tätig, 1,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. 17 Prozent der Betriebsinhaberinnen und -inhaber meldeten im Vergleich zum 2. Quartal 2020 eine gestiegene und 69 Prozent eine gleichbleibende Beschäftigung.

Die Investitionsneigung sank im 3. Quartal im oberbayerischen Handwerk gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6 Punkte auf 34 Prozent und liegt damit im Durchschnitt der letzten Jahre. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich allerdings beim Investitionsvolumen. Aufgrund der Rezession und der enormen Unsicherheit reduzierten die Betriebe ihre Ausgaben für größere Projekte deutlich. Nach Schätzungen wurden im 3. Quartal etwa 275 Millionen Euro investiert; 4 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Die Zahl der Betriebe im oberbayerischen Handwerk lag Ende September bei rund 79.700 – ein Plus von 0,6 Prozent.

Der Kammerpräsident: „Auch, wenn sich die Handwerkskonjunktur zuletzt erholt zeigte, müssen viele Betriebe weiterhin kämpfen, um über die Runden zu kommen.“ Bis zum Jahresende ist nur wenig Entlastung zu erwarten. Lediglich 9 Prozent der Befragten rechnen mit einer Erholung im 4. Quartal, 69 Prozent erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage, 22 Prozent eine Verschlechterung. Die Zulieferer und das Kfz-Handwerk leiden unter der schwachen Industriekonjunktur, dem näher rückenden Brexit und der Transformation der Automobilbranche. Bei den verbrauchernahen Dienstleistern wird viel davon abhängen, wie schnell sich das Konsumklima stabilisieren kann. Sorgen bereiten auch die schwachen Erwartungen der Bau- und Ausbauhandwerke für die Zeit bis zum Jahresende – was aber auch mit dem nahenden Winter zusammenhängen dürfte. „Insgesamt steht dem Handwerk ein durchwachsener Jahresausklang bevor. Mit einer nachhaltigen Verbesserung der Konjunktur ist erst im Laufe des Jahres 2021 zu rechnen“, sagt Peteranderl. Die Prognose für 2020 wurde dementsprechend angepasst: In diesem Jahr wird im oberbayerischen Handwerk ein Umsatzminus von nominal 2,5 Prozent erwartet. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um 0,5 Prozent abnehmen, die Investitionen um 10 Prozent sinken.

Unterschriftenaktion zur Verkehrspolitik in München

Die Handwerkskammer hat eine Unterschriftenaktion zur Verkehrspolitik in München gestartet, bei der alle oberbayerischen Handwerkerinnen und Handwerker sowie ihre Kunden unterschreiben können – bei den Betrieben vor Ort, aber auch online im Internet unter hwk-muenchen.de/besseres-verkehrskonzept.

Mit der Unterschriftenaktion fordert die Kammer von der Landeshauptstadt, ein anderes Verkehrskonzept umzusetzen, bei dem Fahrspuren für den Fahrradverkehr von Straßen für den Autoverkehr getrennt und Wirtschaftsverkehrszonen zum Liefern und Leisten eingerichtet werden. Zudem sollen intelligente Verkehrssteuerungs- und Leitsysteme sowie die Vermeidung von roten Wellen den Verkehr in München flüssiger machen. Außerdem soll der Radwegeausbau in Nebenstraßen verstärkt und ein Konzept für einen Gesamtfahrradnetzplan erarbeitet werden. Die bisher vorhandenen zweispurigen Zufahrtswege in und aus der Stadt sollen beibehalten werden. Die Stadt soll für motorisierte Kunden erreichbar sein; zudem wird bedarfsorientiert Parkraum geschaffen. Die gesammelten Unterschriften wird die Handwerksammer im kommenden Jahr der Stadtspitze übergeben.

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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Präsident Franz Xaver Peteranderl zur Konjunkturlage im Handwerk:

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 Ansprechpartner

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Stabsstellenleiter, Pressesprecher

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