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Inflation gefährdet Handwerkskonjunktur

23. Juni 2022 - Statement von Präsident Peteranderl

„Die Inflation führt zu einem realen Kaufkraftverlust der Bevölkerung mit Folgen für die Nachfrage nach Handwerksleistungen. Deshalb muss auch der Ausgleich der kalten Progression wieder stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken“, forderte der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern Franz-Xaver Peteranderl.

Corona-Lockdowns in China und Lieferengpässe

Die Inflationsrate auf Bundesebene betrug im Mai 7,9 Prozent. Die Preissteigerung in Bayern lag sogar über 8 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass es nicht nur die Energiepreise sind, die dafür verantwortlich sind. Landwirtschaftliche Produkte verteuern sich ebenfalls. Und Corona-Lockdowns in China und Lieferengpässe führen auch in anderen Bereichen zu hohen Preissteigerungen. Die wirtschaftliche Lage ist dadurch äußerst fragil und unsicher.

Es muss damit gerechnet werden, dass Verbraucher ihre Nachfrage reduzieren und Unternehmenskunden ihre Investitionen zurückstellen. Die Notenbanken vollziehen die Abkehr von der lockeren Geldpolitik. Wenn sie die Inflation wirksam bekämpfen wollen, droht ein Abkippen der Konjunktur.

Steigende Zinsen verschärfen Entwicklung

Schon jetzt sind Auftragsstornierungen ein Problem, das vor allem für die Bau- und Ausbaubranche gravierendes Abwärtspotenzial bietet. Laut ifo-Institut berichteten im Mai mehr als 13 Prozent der Hochbau-Unternehmen von Vertragsauflösungen, da angesichts der explodierten Material- und Energiekosten Projekte unrentabel zu werden drohen.

Steigende Zinsen verschärfen diese Entwicklung noch. Sollte sich diese Entwicklung verstetigen oder gar an Dynamik gewinnen, steht die Baukonjunktur auf dem Spiel, da die hohen Auftragsbestände drastisch zusammenschmelzen könnten

Angesichts der hohen Inflationsraten muss vor allem auch der Ausgleich der kalten Progression wieder stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Die Menschen werden real ärmer, aber die Steuern orientieren sich am Nominaleinkommen. Hier muss dringend für zusätzliche Entlastung gesorgt werden.

Denn die Prognosen zur Inflationsrate im Progressionsbericht der Bundesregierung aus dem Oktober 2020 waren deutlich zu niedrig bemessen. Die bisherigen Maßnahmen zum Ausgleich der kalten Progression reichen daher nicht aus. 



 

Robert Fleschütz
Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik und Statistik

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