Präsident Franz Xaver Peteranderl stand der Presse Rede und Antwort.
Handwerkskammer für München und Oberbayern
Präsident Franz Xaver Peteranderl stand der Presse Rede und Antwort.

Konjunkturhoch im Handwerk hält an

Peteranderl: "Betriebe eilen von einem Rekord zum nächsten"

24. Oktober 2017

„Auch, wenn die politische Lage in Europa und dem Rest der Welt derzeit selbst Berufsoptimisten auf eine harte Probe stellt – das Handwerk in München und Oberbayern zeigt sich davon noch gänzlich unbeeindruckt: Die Betriebe eilen von einem Rekord zum nächsten“, betonte Handwerkskammerpräsident Franz Xaver Peteranderl bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen. Die vollen Auftragsbücher tragen das Münchner und oberbayerische Handwerk bis zum Jahresende: Für das 4. Quartal erwarten 92 Prozent der Befragten eine mindestens befriedigende Geschäftslage, ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Das Handwerk im Kammerbezirk bewertet die aktuelle Geschäftslage zum dritten Mal in Folge zu über 90 Prozent mit „gut“ oder „befriedigend“. Mit 93 Punkten – einem zu diesem Zeitpunkt noch nie erreichten Rekordwert – wurde der Vorjahreswert (91 Punkte) abermals verbessert. Seit 2014 befinden sich die Betriebe in einem stabilen Konjunkturhoch und verbuchen starke Wachstumsraten. Die Auslastung im 3. Quartal blieb mit 82 Prozent auf Vorjahresniveau. Inzwischen ist jedoch eine Grenze erreicht, an der eine noch stärkere Ausweitung der Kapazitäten – mit dem derzeitigen Personalbestand – kaum mehr möglich ist. Im Bauhauptgewerbe war nahezu jeder zweite Betrieb zu 100 Prozent ausgelastet, im Ausbaugewerbe waren es sogar zwei Drittel.

Umsatz steigt um nominal fünf Prozent auf zehn Milliarden Euro

Die Auftragslage blieb im Berichtszeitraum hervorragend. 27 Prozent der Betriebe berichteten von gestiegener Nachfrage, acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dabei zog sich der Anstieg durch alle sechs in der Konjunkturumfrage erfassten Handwerksgruppen. Der Auftragsbestand wuchs trotz der bereits hohen Auslastung im Vorjahresvergleich um 0,6 auf nunmehr 8,2 Wochen. Nach Kammerschätzungen wurden im Münchner und oberbayerischen Handwerk im 3. Quartal knapp zehn Milliarden Euro umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet dies ein Plus von nominal fünf Prozent. Die Anzahl der tätigen Personen lag Ende September geschätzt bei etwa 306.800, ein Plus von 1,1 Prozent. Trotzdem besteht in nahezu allen Handwerksgruppen weiterhin Einstellungsbedarf. Im Vergleich zum relativ schwachen Vorjahresquartal legte die Investitionsneigung der Betriebe im Kammerbezirk im 3. Quartal um drei Prozentpunkte auf 31 Prozent zu. Dabei wurden von Juli bis September ca. 255 Millionen Euro investiert, ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Angesichts der einmal mehr hervorragenden Konjunkturdaten hebt die Kammer ihre Jahresprognose noch einmal an: Für 2017 wird ein nominales Umsatzwachstum von 4,5 Prozent erwartet (vorher: 3,5 Prozent). Damit würde das Handwerk die gesamtwirtschaftliche Entwicklung übertreffen. Bei der Beschäftigung bleibt es beim prognostizierten Plus von 1,3 Prozent. Bei den Investitionen gibt es ebenfalls eine Änderung: Nun wird ein Anstieg von 4,7 Prozent (3,5 Prozent) erwartet.

Auch auf dem Ausbildungsstellenmarkt läuft es momentan gut: Bis Ende September hat die Handwerkskammer 8.550 neue Lehrverträge registriert. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem Zuwachs von 4,1 Prozent. Peteranderl zeigte sich zuversichtlich, dass man auch am Jahresende positive Zahlen verzeichnen werde. 619 der neuen Ausbildungsverträge im oberbayerischen Handwerk wurden mit Menschen mit Fluchthintergrund geschlossen.

Digitalisierung: Prozesse effizienter gestalten

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TU München hat die Handwerkskammer eine Untersuchung durchgeführt, die die Herausforderungen für das Handwerk durch die Digitalisierung erörtert und Handlungsoptionen für die Betriebe aufzeigen soll. Demnach sehen die Unternehmen vor allem die Chance, durch eine verstärkte Digitalisierung ihre Prozesse effizienter gestalten und damit mehr Aufträge bearbeiten zu können. Verbesserungen erwarten sie hierbei in den Bereichen Auftragskoordination und -abwicklung sowie im Dokumentenmanagement. Allerdings nutzen bislang weniger als die Hälfte aller Handwerksunternehmer aktiv Cloud-Services zur laufenden Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse.

Zum Gewerbeflächenentwicklungsprogramm der Landeshauptstadt berichtete der Kammerpräsident, dass eine nachhaltige Versorgung nur erreicht werde, wenn neben Bäckern und Metzgern z.B. auch Glaser, Elektriker, Heizungs- und Lüftungsbauer oder Gesundheitshandwerker vor Ort seien. Peteranderl: „Obwohl über 30 Prozent der oberbayerischen Betriebe ihren Standort in der Landeshauptstadt haben, gestaltet sich die Standortfrage nicht immer reibungsfrei: Die stetig wachsenden Wohnbauflächen lösen zunehmend Gemengelagenprobleme aus, die die Betriebe vor Ort gefährden und Verlagerungen erforderlich machen. Hier ist der Aufbau von Gewerbehöfen durch die Münchener Gewerbehofgesellschaft geradezu ein Segen – die Angebote werden von unseren Betrieben gerne in Anspruch genommen.“ Die Stabilität des Münchener Handwerks sei auch zu einem Teil der Existenz der Gewerbehöfe zu verdanken, so der Kammerpräsident. In den nächsten Jahren plant die Stadt, 35 ha Gewerbeflächen neu zu entwickeln. Aus Sicht der Kammer reicht das aber gerade einmal aus, um bestehende Betriebe in ihren Umsiedlungs- und Erweiterungsbedürfnissen entsprechend zu bedienen.

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