Präsident Franz Xaver Peteranderl
Handwerkskammer für München und Oberbayern
Präsident Franz Xaver Peteranderl

Stimmung im oberbayerischen Handwerk bleibt ausgezeichnet

Peteranderl: "Fachkräftemangel macht weiteres Wachstum immer schwieriger"

27. Juli 2018

„Die für das Handwerk günstigen Rahmenbedingungen aus niedrigen Zinsen, guter Konsumstimmung und einer starken Baunachfrage werden das gesamte Jahr anhalten. Weiteres Wachstum wird aber vor allem aufgrund des Fachkräftemangels immer schwieriger“, betont Handwerkskammerpräsident Franz Xaver Peteranderl.

Die ausgezeichnete Stimmung im oberbayerischen Handwerk hat auch im 2. Quartal 2018 angehalten. Sechs von zehn Betrieben meldeten eine gute, weitere 33 Prozent eine befriedigende Geschäftslage. Viele Indikatoren zeigen mittlerweile ganz leicht nach unten – bei insgesamt unverändert hohem Niveau. So wurden u.a. die Auslastung und die Auftragseingänge im Schnitt etwas schlechter bewertet als noch vor einem Jahr. „Nachdem der Aufschwung im oberbayerischen Handwerk schon fünf Jahre anhält, ist es nur verständlich, dass der Scheitelpunkt der Hochkonjunktur langsam näherkommt“, berichtet der Kammerpräsident. Hinzu kommt eine stärker um sich greifende Verunsicherung in der Exportwirtschaft, die auch die Zulieferbetriebe im Handwerk betrifft. Peteranderl: „Deshalb haben wir die kürzlich von Jean-Claude Juncker und Donald Trump verkündeten Zugeständnisse im Handelsstreit zwischen der EU und den USA mit Erleichterung zur Kenntnis genommen.“ Mittelfristig könnte auch die anziehende Inflation das Konsumklima hierzulande eintrüben. Die Geschäftserwartungen für das 3. Quartal 2018 stagnieren auf sehr hohem Niveau: 18 Prozent der befragten Betriebe im oberbayerischen Handwerk erwarten abermals eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 76 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Niveau aus, nur sechs Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Betriebe weiterhin positiv gestimmt

Mit 93 Prozent „gut“ und „befriedigend“-Urteilen lag die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im Berichtszeitraum einen Punkt unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Gleichzeitig übertraf sie den Zehn-Jahres-Durchschnitt aber um sieben Punkte. Dies spricht für die weiterhin ausgezeichnete Stimmung im oberbayerischen Handwerk. Als Spitzenreiter präsentierten sich erneut das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe mit 99 bzw. 95 Punkten. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der oberbayerischen Handwerksbetriebe lag im 2. Quartal 2018 mit 82 Prozent einen Punkt unter dem Vorjahreswert aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt (80 Prozent). Besonders stark ausgelastet ist das Bauhauptgewerbe, wo etwa 60 Prozent der Betriebe an ihrer absoluten Kapazitätsgrenze arbeiteten. 31 Prozent der befragten Unternehmen im Kammerbezirk verzeichneten im Berichtszeitraum mehr Auftragseingänge als im Winterquartal. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um zwei Punkte. 16 Prozent rechneten auch für den Sommer mit einer weiteren Steigerung. Dies entspricht dem Wert des Vorjahres. Insgesamt bleibt die Nachfragesituation für die Handwerksbetriebe sehr vorteilhaft: Die Auftragsreichweite legte im 2. Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 auf 8,9 Wochen zu. Damit wurde das hohe Niveau konsolidiert.

32 Prozent der befragten Betriebe im Kammerbezirk meldeten im Berichtszeitraum ein Umsatzplus. Das entspricht exakt dem Wert vor Jahresfrist. Laut Kammer-Hochrechnungen wurden im 2. Quartal 2018 im oberbayerischen Handwerk 10,2 Milliarden Euro umgesetzt, ein Plus von nominal 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Real entspricht dies einem Zuwachs von 3,5 Prozent. Vor allem im Bauhauptgewerbe meldeten deutlich mehr Betriebe ein Umsatzplus. Nach Schätzungen der Handwerkskammer waren Mitte 2018 etwa 301.000 Personen im oberbayerischen Handwerk tätig. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem leichten Anstieg von 0,7 Prozent. Während es den größeren Unternehmen (zehn und mehr Beschäftigte) immer noch gelingt, Arbeitskräfte zu finden, können kleinere Betriebe Abgänge oftmals nicht adäquat ersetzen. Das gilt vor allem für das Bau- und Ausbauhandwerk.

Investitionen nehmen wieder zu

Nach einer kurzen Verschnaufpause im 1. Quartal 2018 nahm die Investitionstätigkeit im oberbayerischen Handwerk von April bis Juni wieder Fahrt auf. Nach Hochrechnungen der Kammer wurden etwa 310 Millionen Euro für neue Fahrzeuge, Maschinen und Gebäude aufgewendet. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von 6,1 Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk lag zur Jahreshälfte fast unverändert bei 79.180. Peteranderl: „Bei den Betriebszahlen erwarten wir auch für das Gesamtjahr 2018 keine Veränderung. Die Umsätze dürften um fünf Prozent steigen, die Zahl der Beschäftigten um 0,9 Prozent zulegen. Bei den Investitionen rechnen wir mit einem Zuwachs von vier Prozent.“

Dieselfahrverbote lehnt das Handwerk im Kammerbezirk weiterhin kategorisch ab. Von den gut 20.800 Handwerksbetrieben in München wäre mindestens die Hälfte existenziell von Einfahrverboten betroffen. Der Mitte dieser Woche von der Landeshauptstadt vorgestellte Masterplan zur Luftreinhaltung kann dabei helfen, Dieselfahrverbote zu vermeiden. „Der Ausbau des ÖPNV, die Förderung der E-Mobilität oder eine intelligente Verkehrssteuerung sind Maßnahmen, die das Handwerk für sinnvoll hält und schon lange fordert“, betont der Kammerpräsident.

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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