PK Konjunktur Juli 2020
Handwerkskammer für München und Oberbayern

Umsatzeinbruch im oberbayerischen Handwerk

Peteranderl: "Beschäftigung bleibt weitgehend stabil"

24. Juli 2020

Ein Ende der Corona-Krise ist im Handwerk vorerst nicht in Sicht. Dies zeigen die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage unter Oberbayerns Betrieben. 41 Prozent der Befragten bezeichneten ihre wirtschaftliche Lage im 2. Quartal als gut und 32 Prozent als befriedigend. Die zu dieser Jahreszeit übliche, kräftige saisonale Belebung blieb aus. Vergleicht man die Zahlen mit denen des Vorjahres, ergibt sich gegenüber dem 2. Quartal 2019 ein deutliches Minus von 20 Punkten. Während Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ihrer Tätigkeit auch während des Shutdowns mit relativ wenigen Einschränkungen nachgehen konnten, haben die konsumnahen Handwerke sowie die Kfz- und Zulieferbetriebe massiv gelitten und tun dies immer noch. „Die Gesamtwirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession, der sich auch das Handwerk nicht entziehen kann“, betont Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl.

Am deutlichsten macht sich das bei den Auftragseingängen bemerkbar: Im Berichtszeitraum meldeten 43 Prozent der Befragten eine zurückgehende Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen, 30 Prozentpunkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Peteranderl: „Das Handwerk leidet derzeit in allen Bereichen unter einem massiven Nachfrageschock.“ In den kommenden Monaten erwarteten 13 Prozent der befragten Betriebe eine Belebung der Nachfrage, während 59 Prozent damit rechnen, auf dem aktuell niedrigen Niveau zu verharren. 28 Prozent rechnen gar mit einem weiteren Rückgang. Da deutlich weniger neue Aufträge hereinkommen, schmelzen auch die Bestände: Ende Juni verfügten die Betriebe im Kammerbezirk über eine durchschnittliche Orderreichweite von 8,2 Wochen. Das sind 1,2 Wochen weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zwar legte die Auslastung gegenüber dem 1. Quartal des Jahres um zwei Punkte auf 76 Prozent zu, gleichzeitig rangierte sie jedoch 7 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Der Umsatzeinbruch der Betriebe im oberbayerischen Handwerk fiel im 2. Quartal heftig aus: 41 Prozent der Befragten vermeldeten sinkende Umsätze, in den ersten 3 Monaten des Jahres waren es 43 Prozent gewesen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatten lediglich 11 Prozent der Befragten niedrigere Umsätze vermeldet. Wie schon im 1. Quartal waren die verbrauchernahen Dienstleister am stärksten betroffen: Dort meldeten 78 Prozent der Betriebe rückläufige Geschäfte. Nach Schätzungen der Handwerkskammer wurden im Berichtszeitraum im oberbayerischen Handwerk etwa 9,7 Milliarden Euro umgesetzt. Im Jahresvergleich ist das ein Minus von nominal 10 Prozent. Ein Rückgang dieser Dimension ist bisher einzigartig. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 schrumpfte der Umsatz nur um knapp 7 Prozent. Preisbereinigt beträgt der Umsatzrückgang im 2. Quartal 2019 sogar 13 Prozent. Auf die Preise im Handwerk wirkt sich die Rezession bisher moderat aus. Lediglich der zuletzt kräftige Anstieg bei den Baupreisen hat sich etwas abgeschwächt. Insgesamt lag die durchschnittliche Preissteigerung Ende Juni bei etwa 3 Prozent.

Beschäftigungsabbau konnte weitgehend vermieden werden

Trotz dieser Hiobsbotschaften blieb die Beschäftigungsentwicklung im 2. Quartal relativ konstant, ein großflächiger Beschäftigungsabbau konnte vermieden werden. „Die Unternehmen wissen, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte sind und tun alles dafür, sie zu halten. Diese Treue zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hilft uns auch dabei, Berufsnachwuchs für das Handwerk zu gewinnen“, betont Peteranderl. Laut Schätzung waren Ende Juni etwa 307.700 Personen im oberbayerischen Handwerk tätig. Dies entspricht einem Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den kommenden Monaten erwarteten 8 Prozent der Befragten ein Beschäftigungsplus, 11 Prozent gehen von einem Minus aus. „Wir sind optimistisch, dass das oberbayerische Handwerk ohne allzu große Arbeitsplatzverluste durch das Jahr kommt“, so der Kammerpräsident.

Massiv zurückgefahren haben die Unternehmen im Kammerbezirk ihre Investitionen. Der Anteil investierender Betriebe sank nach einem starken Vorjahresquartal um 7 Punkte auf 30 Prozent. Nach Schätzungen der Kammer wurden etwa 210 Millionen Euro für neue Fahrzeuge, Gebäude und Maschinen ausgegeben. Das ist ein Minus von 36 Prozent. Auch im kommenden Quartal dürfte sich daran wenig ändern: Nur 8 Prozent wollen ihre Investitionstätigkeit ausweiten.

11 Prozent der Befragten blicken optimistisch ins 3. Quartal. 65 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus, 24 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Diese Skepsis zieht sich quer durch alle Gewerke, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt: Während 18 Prozent im Bauhaupt- und 20 Prozent im Ausbaugewerbe in den kommenden Monaten schlechtere Geschäfte erwarten, sind es im Handwerk für den gewerblichen Bedarf 26 Prozent. Im Kfz-Handwerk erwarten sogar 38 Prozent eine Verschlechterung, im Lebensmittelhandwerk 16 Prozent und bei den verbrauchernahen Dienstleistern 41 Prozent. „Das Handwerk wird auch in den kommenden Monaten im Krisenmodus arbeiten müssen. Unsere Befragung zeigt eindeutig, dass die oberbayerischen Betriebe nicht mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft rechnen“, berichtet Peteranderl. Dies wirkt sich auch auf die Jahresprognose aus: Für das Gesamtjahr erwartet das Münchner und oberbayerische Handwerk im besten Fall ein Umsatzminus von nominal 3,5 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um 0,5 Prozent abnehmen, die Investitionen um 4,1 Prozent sinken.

Umfrage der Kammer zum Wirtschaftsverkehr in München

Aufgrund der starken Betroffenheit im Handwerk hat die Kammer eine Umfrage unter ihren Mitgliedern durchgeführt, um sich ein aktuelles Bild vom Wirtschaftsverkehr in München zu machen. Bei der Auswertung wurden nur die Antworten von Betrieben berücksichtigt, die in der Landeshauptstadt Leistungen erbringen oder aus anderen Gründen dorthin fahren (insgesamt 79 Prozent der Antwortenden). Die Ergebnisse sind eindeutig: Nur 9 Prozent bewerten die Lage als unproblematisch. Dagegen haben 42 Prozent große Schwierigkeiten, überhaupt in bzw. durch die Stadt zu kommen. Das hat dramatische Folgen: 61 Prozent der Befragten führen die Verkehrssituation mittlerweile als Grund an, Aufträge im Stadtgebiet abzulehnen. Dies führt zu einem Rückgang von Geschäftstätigkeit und Wertschöpfung. Auch die Energiewende kann darunter leiden, wenn etwa kleinere energetische Sanierungen nicht mehr ausgeführt werden.

Nur 8 Prozent der Befragten schaffen es, die durch die Wegstrecke entstehenden Kosten auf die Kunden umzulegen. 84 Prozent sind dagegen auf eine Mischkalkulation angewiesen oder bestreiten die Anfahrt zumindest teilweise auf eigene Kosten. Peteranderl: „Analog zur Zeugnisvergabe in den Schulen ist die Landeshauptstadt im Fach ‚Parkplatzsituation‘ massiv versetzungsgefährdet“, so der Kammerpräsident. Nur 8 Prozent der Betriebe benoten sie mit „befriedigend“ oder besser. 75 Prozent bewerten sie als „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Als Durchschnittsnote steht eine 4,9.

Eine Unterauswertung nach Unternehmensgrößen zeigt zudem, dass gerade die Betriebe mit 5-20 Beschäftigten, die den klassischen handwerklichen Mittelstand stellen, am stärksten betroffen sind. Diese Betriebe haben die größten Schwierigkeiten im Verkehr und können ihre Anfahrtskosten am wenigsten umlegen. „Um die Ergebnisse unserer Umfrage zu unterfüttern, planen wir im Herbst eine Unterschriftenaktion bei Betrieben aus München und dem Umland. Mit den Ergebnissen werden wir die Münchner Stadtpolitik konfrontieren und gleichzeitig Alternativen zur gegenwärtigen Verkehrsplanung aufzeigen“, kündigt der Kammerpräsident an.

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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