Peteranderl vor der Presse
Handwerkskammer für München und Oberbayern

Weiterhin Spitzenstimmung im oberbayerischen Handwerk

Peteranderl: "Auslastung der Unternehmen kaum mehr steigerungsfähig"

23. Januar 2019

Im Münchner und oberbayerischen Handwerk herrscht weiterhin Spitzenstimmung. Dies zeigt die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zum 4. Quartal 2018. Dort meldeten 57 Prozent der befragten Betriebe eine gute und 36 Prozent eine mindestens befriedigende Geschäftslage. Damit verbesserte sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwei Punkte. „Mit 93 Prozent wurde der beste Gesamtwert für ein 4. Quartal seit 1991 erreicht“, betont Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl.

Das Auftragspolster der Handwerksunternehmen legte im Berichtszeitraum um 0,6 Wochen auf 8,1 Wochen zu. Ein solcher Jahresendwert wurde noch nie erreicht. Für das 1. Quartal 2019 erwarten 16 Prozent steigende und 68 Prozent gleichbleibende Aufträge. Peteranderl: „Die Konjunktur im Münchner und oberbayerischen Handwerk bleibt gut, zusätzlicher Schub ist aber nicht mehr zu erwarten.“ Die Betriebe waren im Berichtszeitraum zu 81 Prozent ausgelastet, ein Punkt weniger als vor einem Jahr. „Die durchschnittliche Auslastung kann kaum mehr gesteigert werden. Vier von zehn Betriebe meldeten Vollauslastung“, stellt der Kammerpräsident fest.

23 Prozent der befragten Unternehmen verbuchten im 4. Quartal 2018 steigende Umsätze. Fast jedes fünfte Unternehmen erwartetet dies auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Die Münchner und oberbayerischen Handwerksunternehmen erzielten von Oktober bis Dezember 12,1 Milliarden Euro Umsatz, das sind 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und inflationsbereinigt ein Plus von 1,8 Prozent. Im Gesamtjahr 2018 stieg der Umsatz auf 41,8 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von nominal 6,6 Prozent. Preisbereinigt bleibt ein Plus von 3,5 Prozent.

Investitionen legen kräftig zu

Nach Schätzung der Handwerkskammer waren zum Jahresende etwa 303.500 Menschen im Münchner und oberbayerischen Handwerk tätig. Das ist im Vorjahresvergleich ein Zuwachs von 0,9 Prozent. „Ein deutlicheres Plus wäre ohne Frage möglich gewesen, doch der leergefegte Fachkräftemarkt gab dies nicht her“, sagt Peteranderl. Dank der guten Konjunktur und den stabilen Aussichten für 2019 haben viele Handwerker im 4. Quartal 2018 noch einmal kräftig investiert: Die Investitionsneigung lag bei 37 Prozent, drei Punkte mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Kammer schätzt das Investitionsvolumen auf etwa 330 Millionen Euro. Dies ist ein Zuwachs von 8,2 Prozent. Im Gesamtjahr summierten sich die Investitionen auf rund 1,1 Milliarden Euro, 4,4 Prozent mehr als 2017. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe im Kammerbezirk lag zum Jahresende bei gut 79.400. Das sind 0,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Für 2019 rechnet das oberbayerischen Handwerk mit einem Umsatzplus von nominal vier Prozent. Die Zahl der Beschäftigten dürfte um etwa 0,5 Prozent zulegen.

Bis Ende 2018 wurden im oberbayerischen Handwerk knapp 9.900 neue Lehrverträge geschlossen. Das ist ein Zuwachs um 1,6 Prozent. Dennoch ist der Kammerpräsident besorgt: „Gleichzeitig blieben nämlich rund 1.900 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das Handwerk braucht den Berufsnachwuchs, um auch in Zukunft genügend Fachkräfte zu haben, die in den Unternehmen arbeiten, sie weiterführen oder neue gründen.“

Vorfahrt für den Wirtschaftsverkehr

Durch den anhaltenden Zuzug in den Großraum München und die Verdichtung beim Wohnungsbau stößt der individuelle und öffentliche Verkehr bereits an seine Grenzen. Peteranderl warnt: „Ohne die richtigen Weichenstellungen droht schon bald der Zusammenbruch.“ Um die Lebens- und Leistungsfähigkeit der Innenstädte auch in Zukunft zu gewährleisten, müsse der Wirtschaftsverkehr klare Vorfahrt haben. Der Kammerpräsident fordert daher, Prioritäten zu setzen: „Die ohnehin begrenzten und weiter abnehmenden Parkflächen müssen stärker für den Lieferverkehr, für Taxis, für Car-Sharing und für Handwerksfahrzeuge ausgewiesen werden. Das funktioniert aber nur, wenn private Nutzer hier zurückstecken.“ Die Stadt München könne sich ein nahezu kostenloses Anwohner-Parken nicht länger leisten, so Peteranderl: „Bewohner der Innenstadt, die sehr viel Geld für ihre Miete aufbringen können, dürfen ihre Fahrzeuge nahezu vollständig auf Kosten der Allgemeinheit im öffentlichen Raum abstellen – während gleichzeitig Bewohner im Randbezirk in aller Regel gezwungen werden, den zur Wohnung gehörenden Parkplatz zu mieten.“ Innenstadt-Bewohner könnten künftig private Stellflächen in noch zu bauenden Parkhäusern außerhalb des öffentlichen Raums anmieten. Gleichzeitig müsse der öffentliche Nahverkehr weiter ausgebaut werden. Der Kammerpräsident: „Unter anderem muss die zweite Stammstrecke schnell fertiggestellt und die U-Bahn wie geplant erweitert werden.“

Eine City-Maut lehnt das Handwerk ab. Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage, erklärt Peteranderl: „Sollte die Maut trotzdem eingeführt werden, darf sie nicht als zusätzliche Steuer betrachtet werden. Die Einnahmen müssten zur Verbesserung des Verkehrsflusses bzw. zur Ertüchtigung des Straßenraums verwendet werden.“

Beitrag von Alexander Tauscher zur Handwerkskonjunktur:

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