Normen und technische Regeln

Kapitel 1: Allgemeines zu Normen und technischen Regeln

Sinn und Zweck technischer Regeln

Im weitesten Sinne sind technische Regeln Empfehlungen, Handlungsanleitungen oder Vorschläge, die einen Weg zur Einhaltung eines Gesetzes, einer Verordnung oder eines technischen Sachverhalts aufzeigen. Technische Regeln sind beispielsweise DIN-Normen, VDE-Bestimmungen, VDI-Richtlinien, Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB) oder Regeln der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW-Regeln). Auch die bekannten ehemaligen Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) sind technische Regeln.

Technische Regeln dienen im Wesentlichen der technischen Sicherheit von Leben, Gesundheit und Sachgütern, dem Schutz der Umwelt, der Sicherung der Vergleichbarkeit und der Kompatibilität sowie der Sicherung der Qualität von Produkten und Dienstleistungen.

Technische Regeln in Rechtsvorschriften

In Gesetzen und Verordnungen werden in zunehmendem Maße nur noch Schutzziele wie Sicherheit, Mangelfreiheit, Gesundheitsschutz, Luftdichtheit etc. festgelegt. Die Anforderungen an Produkte, Verfahren oder Stoffe zum Erreichen der Ziele aber werden nur noch durch grundlegende Formulierungen wie "nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik", "nach Stand der Technik" oder "nach Stand von Wissenschaft und Technik" umschrieben. Oft werden in einem Gesetz oder einer Verordnung sogar gleich mehrere dieser Formulierungen verwendet. Beispiele für solche Formulierungen in Gesetzen und Verordnungen sind:

allgemein anerkannte Regeln der Technik

  • in Paragrafen 3, 4, 14 Gesetz über elektromagnetische Verträglichkeit (EMV-Gesetz)
  • in Paragraf 4 Bauproduktengesetz (BauPG)
  • in Paragrafen 2, 6, 7, 9, 13, 14, 19, 23 Energieeinsparverordnung (EnEV)
  • in Paragraf 14 Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG)
  • in Paragraf 51a Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)

Stand der Technik

  • in Paragrafen 3 (mit Anlage), 5, 6, 14, 22, 41, 48, 51a Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)
  • in Paragrafen 2, 7, 9, 20 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
  • in Paragraf 14 Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG)
  • in Paragrafen 3, 16, 57 Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
  • in Anlage 2 Punkt 2.2.2 Energieeinsparverordnung (EnEV)
  • in Paragraf 20 Medizinproduktegesetz (MPG)
  • in Paragraf 107 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)

Stand von Wissenschaft und Technik

  • in Paragraf 1 Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG)
  • in Paragrafen 4, 5, 6, 7, 7d, 9, 26 Atomgesetz (AtG)
  • in Paragrafen 6, 9, 14, 17, 18, 24, 33, 49, 69, 83 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)
  • in Paragrafen 5, 7, 10, 11, 14, 20b, 20c, 36 Arzneimittelgesetz (AMG)
  • in Paragrafen 20, 22, 22a, 22b, 26 Medizinproduktegesetz (MPG)

Vom Gesetzgeber wurden diese Begriffe nicht allgemein verbindlich definiert. Daher werden sie als "unbestimmte Rechtsbegriffe" bezeichnet. Technische Regeln können diese unbestimmten Rechtsbegriffe ausfüllen und zu deren Konkretisierung dienen.


Weitere Kapitel:
Kapitel 2: Die unbestimmten Rechtsbegriffe und ihre Dreiwertigkeit
Kapitel 3: DIN-Normen als technische Regeln

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