Putz und Farbe

Meisterprojekt

Ein Projekt der Meisterschule für Vergolder und Kirchenmaler
und der Handwerkskammer für München und Oberbayern - Galerie Handwerk

Rekonstruktion historischer Putzoberflächen von der Romanik bis zur Neuzeit aus der Münchner Innenstadt

Angeregt und unterstützt durch die Handwerkspflege in Bayern wurde im Februar 2006 an der Meisterschule ein Unterrichtsprojekt zum Thema Putz und Farbe durchgeführt. Die Arbeiten wurden für die Ausstellung " Putz und Farbe " in der Galereie Handwerk in der Handwerkskammer für München und Oberbayern konzipiert und sind dort vom 8. März bis 13. April zu sehen.

Neugestaltung, Rekonstruktion und Restaurierung von Putzflächen und Wandgestaltungen gehören seit jeher zum Berufsbild des Kirchenmalers / der Kirchenmalerin. Dabei werden Arbeitstechniken angewendet, wie sie in der Entstehungszeit der zu sanierenden oder zu gestaltenden Objekte üblich waren und Werk- und Hilfsstoffe verwendet, die nach historischen Rezepturen hergestellt werden. Kirchenmaler und Kirchenmalerinnen reinigen, konservieren, festigen, retuschieren, rekonstruieren und gestalten Oberflächen von Decken, Wänden und Fassaden, Wandmalereien und Stuck.

Aber auch für den Vergolder und für die Vergolderin sind Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten an Wand- und Putzflächen ein besonderes Aufgabengebiet. Sie prüfen und bewerten die zu bearbeitenden Untergründe und dokumentieren ihren Zustand. Sie reinigen, konservieren, festigen, retuschieren und rekonstruieren ebenfalls Oberflächen an Wand und Stuck.

Ein Schwerpunkt der Ausbildung an der städtischen Meisterschule für Vergolder und Kirchenmaler in München liegt deshalb im Erwerb von Fertigkeiten und Kenntnissen im Bereich der Putz- und Wandgestaltung. Durch die Rekonstruktion historischer Wand- und Putztechniken werden die Materialien der Untergründe, die Farb- und Bindemittel und die Mal- und Gestaltungstechniken im stilgeschichtlichen Zusammenhang nachvollziehbar.

Projektziele

Es sollten Rekonstruktionen und Kopien von originalen, historischen und existierenden Vorlagen erstellt werden. Sie sollten maßstabsgetreu, form- und detailgetreu und soweit wie möglich auch materialgerecht dem Original entsprechen. Schäden sollten nicht detailgetreu kopiert werden. Bei der Arbeit waren aber auch Teamfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Selbständigkeit gefragt.

Projektarbeiten

Es wurden zehn historische Putzoberflächen in München mit Blick auf ihre historischen Techniken ausgewählt.

In Teamarbeit suchten und erarbeiteten sich jeweils zwei Schüler, bzw. Schülerinnen selbständig alle nötigen Informationen und Arbeitsschritte zur Durchführung der Projektarbeit. In vorbereitenden Übungsphasen auf Musterflächen wurden Untergründe, Farb- und Bindemittel und Maltechniken erprobt und mit den originalen Oberflächen abgeglichen.

Im Kontakt mit zuständigen Behörden oder Eigentümern, in Archivarbeit und Literaturrecherche oder über entsprechende Fachliteratur wurden alle relevanten Informationen zum Objekt oder zur Technik durch die Schüler und Schülerinnen zusammengetragen und in der begleitenden EDV-Dokumentation festgehalten.

Alle durchgeführten Arbeitsschritte wurden photographisch dokumentiert und ebenfalls in die begleitende Dokumentation eingefügt. Der Zeitraum für die Durchführung des Projektes wurde auf drei Wochen festgelegt.

Die Projektarbeiten

Romanik    
Kalkmalereien auf Ziegelmauerwerk in der Heilig Kreuz Kirche, Fröttmaning

Gotik    

Maßwerkimitation in Kalk-Secco-Technik auf Kalkputz in St. Wolfgang, Pipping

Renaissance   

Seccomalerei mit Glutinleim auf Kalkputz im Antiquarium der Residenz

Barock   

Stuck mit polychromer Farbfassung in Kalktechnik in der Dreifaltigkeitskirche, Pacellistrasse

Rokoko

Stuckmarmor auf Luftkalk-Glätteputz in der Asamkirche, Sendlinger Strasse

Historismus   

Stukkaturen mit Goldleisten in der Falk`s Bar im Hotel Bayerischer Hof, Promenadenplatz

Wiederaufbauzeit 

Hornstuck / Spachteltechnik aus dem Neuen Herkulessaal der Residenz
Keim -A- Technik auf hochhydraulischem Unterputz im Brunnenhof der Residenz
Kaliwasserglasfarben auf hochhydraulischem Kalkputz an einem Verwaltungsgebäude, Burgstrasse 

Neuzeit  
Dreifarben-Sgraffito in Kalkputz am Alten Rathausturm am Marienplatz

Die Aufgaben gliederten sich in verschiedene Teilaspekte:

Anfertigen einer Arbeitsplanung

  • Anfertigen einer 1:1-Zeichnung als Vorlage
  • Anfertigen einer Rekonstruktion im Maßstab 1:1 nach Vorlage
  • Anfertigen einer Schritt - für - Schritt - Dokumentation zur Darstellung der
    notwendigen Arbeitsschritte vom Untergrund bis zur fertigen Rekonstruktion auf der Musterplatte
  • Anfertigen einer Schriftlichen Dokumentation
  • Beschreibung des Ist-Zustandes des Originales ( Sicht-Befund )
  • Beschreibung der Arbeitsschritte mit Material- und Rezeptangabe
  • Anfertigen einer Photographischen Dokumentation
  • Photos des Originals mit Detailaufnahmen
  • Photos der einzelnen Arbeitsschritte
  • Photos der fertigen Rekonstruktion mit Detailaufnahmen
  • Anfertigen einer Kostenberechnung
  • Berechnung des qm- Preises von der Auftragsstellung bis zur Fertigstellung
  • Materialkostenberechnung
  • Transport und Aufbau der Exponate in der Galerie Handwerk
  • Präsentation der fertigen Arbeiten am 10.03.2006 in der Galerie Handwerk
  • Anfertigen eines Informationsblattes für die Ausstellung
  • Anfertigen einer Informationsseite für das Internet

Jedes Team bearbeitete dabei jeweils eine der zehn ausgewählten Techniken.

Die Teammitglieder erarbeiteten ein Konzept zur Durchführung der Aufgabenstellung und stimmten mit den anderen Teams die Präsentation ab.

 

Das Unterrichtsprojekt wurde unterstützt durch:

Handwerkskammer für München und Oberbayern, Galerie Handwerk

Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
Untere Denkmalschutzbehörde, München
Baureferat München
Pigmentmühle Enzinger, Teisendorf
Städtische Meisterschule für Vergolder und Kirchenmaler